Der ursprüngliche Verdacht, ein am Mittwoch tot gefundener Schüler aus Offenburg könnte die Ankündigung eines Blutbads ins Internet gestellt haben, bestätigte sich nicht.
Der junge Mann, der sich mit der Pistole seines Vaters selbst getötet hatte, sei nicht der Verfasser der Drohung, teilte die Polizei mit. Ein Ende der Aufregung an den Schulen des Landes war damit vorerst nicht in Sicht.
Nach Angaben des Stuttgarter Innenministeriums waren gestern 3700 Polizisten an den Schulen im Einsatz. Innenminister Heribert Rech (CDU) betonte in Stuttgart: "Es gibt immer noch eine latente Gefahr." Die Polizei fahre im Umfeld der Schulen Streife, zeige Präsenz an den Schulen selbst und stehe in engem Kontakt zu den Schulleitungen. "Die hohe Sensibilität bleibt aufrechterhalten", sagte der Minister.

Keine Killerspiele gefunden
Die Obduktion der Leiche des 18-Jährigen gestern bestätigte erste Vermutungen eines Selbstmordes. Der Schüler habe sich bereits in der Nacht zum Mittwoch mit einem Schuss in den Kopf das Leben genommen, teilte die Polizei mit. Die Auswertung seines Computers habe keine Hinweise auf eine mögliche Gewalttat ergeben. Sogenannte Killerspiele seien nicht gefunden worden. Etwa 300 Polizisten hatten am Mittwoch nach dem jungen Mann gefahndet, weil sie nach einer Drohung im Internet einen Amoklauf befürchteten.
Die öffentliche Warnung der Behörden zog bundesweit Nachahmungstaten nach sich. In einer Wohnung im Achertal (Baden-Württemberg) nahm die Polizei gestern drei 19, 23 und 35 Jahre alte Männer fest. Der 19-Jährige gestand, per E-Mail am Mittwochabend einen Überfall auf eine Schule angekündigt zu haben. Bereits gestern wurde er in einem Schnellverfahren zu vier Wochen Dauerarrest verurteilt. Die beiden älteren Männer wurden zunächst wieder freigelassen.

Sprengung angekündigt
Ein 20-Jähriger kündigte im sächsischen Döbeln nach einem Schulverweis telefonisch bei der Polizei die Sprengung seiner Berufsschule an und wird seither vermisst. Im sauerländischen Marsberg wurde ein 16-Jähriger vorübergehend festgenommen, nachdem er im Internet mögliche Amokpläne angedeutet hatte. Weitere Vorfälle gab es in Köln, Frankfurt, Saarbrücken, Freudenberg (Nordrhein-Westfalen) und Ludwigsburg (Baden-Württemberg). Eine Realschule in Schleswig (Schleswig-Holstein) wird heute unter Polizeischutz gestellt, nachdem ein Unbekannter einen Amoklauf angedroht hat.
Baden-Württembergs Innenminister Rech drohte Trittbrettfahrern gestern in Stuttgart mit harten Strafen. Täter hätten für ihre "üblen Scherze" mit hohen Geldbußen zu rechnen, im Wiederholungsfall sogar mit noch schärferen Strafen. Nach Informationen des Innenministeriums hatten die Behörden bis zum Nachmittag rund zehn Trittbrettfahrer registriert, die Drohungen gegen Schulen ausgesprochen hatten.
Rech verteidigte dennoch die Entscheidung, vor einem möglichen Amoklauf am Nikolaustag öffentlich zu warnen. "Es gibt nichts Schlimmeres für die Betroffenen, als in Ungewissheit bleiben zu müssen und Gerüchten zu unterliegen."