Die schwächelnde Wirtschaft, Billigbier aus dem Supermarkt, das Rauchverbot und der Anti-Alkohol-Kampf der britischen Regierung bedrohen die Existenz vieler Pubbesitzer. Der Branchenverband warnt bereits vor einer "Pub-losen Zukunft".
Die Zahlen zeichnen in der Tat ein trostloses Bild. Nach Angaben der Britischen Brauerei- und Pub-Vereinigung schlossen im vergangenen Jahr 1400 Pubs - im Jahr zuvor waren es noch 200. Pro Woche drehen damit im Schnitt 27 Wirtshäuser ein für alle Mal den Zapfhahn zu. Und die, die noch offen sind, klagen über mangelnden Bierdurst: Im zweiten Vierteljahr 2008 wurden in Pubs fast elf Prozent weniger Bier verkauft - das sind pro Tag 1,6 Millionen Pints weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. "Der Bierverkauf läuft so schlecht wie seit der großen Depression in den 30er-Jahre nicht mehr", sagt Verbandschef Rob Hayward.

Kririk an Supermarktketten
Die Parallele zu der schweren Wirtschaftskrise in den USA ist nicht zu weit hergeholt. Denn in Großbritannien hat die derzeitige Kreditkrise besonders stark zugeschlagen: Die Hauspreise fallen, Lebensmittel und Strom werden immer teurer und das Vertrauen der Verbraucher ist im Keller. Vielen Briten ist die Lust vergangen, ihr Geld im Pub auszugeben.
"Es ist wie ein Feuer, das um sich greift. Rund herum herrscht Pub-Sterben", klagt der Besitzer des "Stephan Langton Inn" in der südenglischen Grafschaft Surrey. Vor allem die Supermarktketten seien für den Niedergang verantwortlich. "Die verkaufen das Bier noch unter dem Einkaufspreis, um die Leute anzulocken. Dann wird zu Hause getrunken, statt in Geselligkeit im Pub um die Ecke."
Wer aufs Geld schauen muss, überlegt sich eben zweimal, ob er für ein Pint (etwas mehr als einen halben Liter) umgerechnet rund 50 Cent im Supermarkt oder fast vier Euro wie in manchen Londoner Pubs ausgibt. Ein anderer Besitzer gibt der Regierung die Schuld an der Pub-Krise. Denn die versucht derzeit, den um sich greifenden Saufexzessen der Jugend unter anderem mit höheren Steuern auf Alkohol Einhalt zu gebieten.
"Diese Regierung und die anderen sagen, sie wollen eine Café-Kultur in diesem Land", klagt Frank Feehan, Betreiber des "Dykes End" in Cambridgeshire, in der BBC. "Wir haben aber bereits eine Art Café-Kultur, es ist eine Pub-Kultur. Das heißt nicht Kampftrinken, sondern zu einem Ort wie diesen zu kommen, ein lokal gebrautes Bier zu trinken und die Zeit zu genießen."
Schließlich ist das "Public House" eine ur-britische Institution, die aus dem gesellschaftlichen Leben nicht wegzudenken ist. Um neue Einnahmequellen zu erschließen, bieten viele Pubs heute weit mehr als nur Bier und Chips an. Doch exotisches Thai-Food kann anscheinend genauso wenig gegen das Pub-Sterben ausrichten wie eine erlesene Weinkarte oder die Aufhebung der Sperrstunde vor drei Jahren. Im Gegenteil: Die Möglichkeit, 24 Stunden geöffnet zu sein, verlangt eine teure Lizenz und wird nur von wenigen Pubs genutzt. Auf der Suche nach einem kühlen Bier heißt es in den meisten Kneipen wie gehabt um 23 Uhr "last orders", also letzte Runde.

Bierdurst kräftig gesunken
Für Nostalgie bleibt bei alldem wenig Platz, denn immer mehr der rund 57 000 Pubs im Vereinten Königreich werden von Ketten wie Punch Taverns und Enterprise Inns aufgekauft. Traditionalisten stößt das bitter auf. "Dort darf man nicht mal seinen Hund mitnehmen", schimpft ein Gast im "Stephan Langton Inn" über einen Pub in der Nachbarschaft, der kürzlich an eine Kette gegangen ist.
Doch ein Mittel gegen den versiegenden Bierdurst der Briten scheinen auch die Pub-Riesen nicht gefunden zu haben: Auch sie melden drastische Umsatzeinbrüche.