Bei der nächsten regulären Bundestagswahl ist bislang nur gewiss, dass sie im Herbst des kommenden Jahres stattfinden wird. Wann genau, darüber liegen Koalition und Opposition im Streit. Es geht um Chancen, Taktik - und um Schulferien.

Ein Blick auf den Wahlkalender zeigt, dass 2013 auch ein neuer Landtag in Bayern bestimmt werden muss. Dafür hat sich die CSU bereits den 15. September ausgeguckt. Diese Tatsache wäre weniger der Rede wert, würden sich die Christsozialen nicht noch eine zusätzliche Bedingung ausgedacht haben. Die CSU, aber auch die Landes-FDP pochen darauf, dass zwischen den Urnengängen in Freistaat und Bund wenigstens zwei Wochen Zeit liegen müssen.

Die Forderung hat möglicherweise mit der Angst beider Parteien vor dem schwarz-gelben Abwärtssog in Berlin zu tun. Nach dem aktuellen ZDF-Politbarometer können sich für das christlich-liberale Regierungsbündnis gerade einmal noch sieben Prozent der Deutschen erwärmen.

Das Problem ist allerdings, dass rund um den 15. September 2013 fast immer irgendwo Schulferien in Deutschland sind, entweder noch Sommerferien oder schon Herbstferien. Laut Grundgesetz muss der Bundestag "frühestens sechsundvierzig, spätestens 48 Monate nach Beginn der Wahlperiode" neu gewählt werden. Frühester Termin wäre demnach Sonntag, der 28. August, spätester Termin Sonntag, der 27. Oktober.

Gänzlich ferienfrei in dieser Zeit sind aber nur der 15. und der 22. September. Nach der bayerischen Arithmetik könnte die Bundestagswahl aber erst am 29. September stattfinden. Angeblich liebäugelt auch das Bundeskabinett mit diesem Datum.

Doch ob Zufall oder nicht, ausgerechnet an jenem Wochenende beginnen die Schulferien in den drei SPD-Hochburgen Hamburg, Berlin und Brandenburg. Dass die Wahlbeteiligung zugunsten der Genossen deshalb schwächer ausfallen könnte, ist zwar kein Naturgesetz.

Trotzdem zeigte sich Parteichef Sigmar Gabriel am Freitag alarmiert. Nach der Nominierung von Peer Steinbrück als Kanzlerkandidat sei bei Schwarz-Gelb offenbar "die reine Panik ausgebrochen". Auch von den anderen Oppositionsparteien kam Kritik.

"Der Bundestagswahltermin darf nicht zur Beute der CSU werden. Es ist guter Brauch, den Bundestagswahltermin einvernehmlich zu entscheiden und ihn nicht zu Ferienzeiten mehrerer Bundesländer stattfinden zu lassen", sagte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast der RUNDSCHAU.

Und die Parlamentarische Geschäftsführerin der Linken, Dagmar Enkelmann, erklärte: Das "Getrickse" von Union und FDP um die Bundestagswahlen müsse aufhören. "Wer das Recht biegt, um Platzvorteile bei Wahlen zu erlangen, greift die demokratische Substanz der Republik an. Wie lange will die Kanzlerin diesem Treiben ihrer Strippenzieher eigentlich noch zusehen?", so Enkelmann gegenüber der RUNDSCHAU.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums suchte die Angelegenheit am Freitag herunterzuspielen: Es entspreche der üblichen "Staatspraxis", die Wahl möglichst außerhalb von Ferienzeiten stattfinden zu lassen. "Aber es ist weder verfassungsrechtlich noch gesetzlich zwingend", fügte er einschränkend hinzu.

Die endgültige Terminentscheidung soll erst im Frühjahr 2013 fallen. Nach der üblichen Staatspraxis ist damit maßgeblich der Bundesinnenminister befasst. Dass Amtsinhaber Hans-Peter Friedrich ein CSU-Mann ist, dürfte die SPD nicht unbedingt beruhigen.