Die Aktion der östereichischen Polizeispezialkräfte "Cobra" verlief blitzschnell und ohne Chance zur Gegenwehr. Am letzten Donnerstag im Mai stoppten sie zwei Mietwagen, die in der Nähe von Salzburg unterwegs waren. In einem der Autos saß der Cottbuser Kampfsportler und Neonazi Markus W. .

Der ehemalige Spitzenkämpfer des KBTC wurde seit Februar von der Staatsanwaltschaft Cottbus wegen versuchten Mordes an einem "Hells Angels"-Rocker gesucht. Er wurde in Österreich festgenommen und wartet inzwischen in Untersuchungshaft in Brandenburg auf eine Anklage.

Seine Begleiter bei der Österreichreise durften weiterfahren, darunter KBTC-Chef Steve Beier und das sportliche Aushängeschild des Vereins, Kickbox-Europameister Mario Schulze. Ziel der Gruppe soll nach RUNDSCHAU-Recherchen die Hochzeit eines Lausitzers gewesen sein, der aus dem rechtsextremen Kern der Cottbuser Hooligan-Gruppierung "Inferno" stammt.
Steve Beier gehörte im Herbst 2012 als Präsident des KBTC zu den ersten Unterzeichnern einer Demokratieklausel des Stadtsportbundes Cottbus, die Bestandteil der Vereinssatzung wurde. Soweit die Theorie.

Zur Praxis gehört dagegen die Anwesenheit von Schulze und Beier bei der Festnahme von Markus W., die nahelegt, dass ihre Verbindung zu dem Neonazi nach dessen Ausscheiden aus dem KBTC vor einem Jahr nicht abgerissen ist. Alle drei gehören zu den Gründern des KBTC, sind seit Jahren befreundet.

Das Bekanntwerden der Österreichreise erhöht nun den Druck auf den Kampfsportverein. Auch weil eine Beratung des KBTC durch den Landessportbund in Sachen Distanzierung zur rechtsextremen Szene gescheitert ist. "Wir werden den Beratungsprozess des Vereins nicht fortsetzen, weil die bisherigen Gespräche zu keinem Ergebnis geführt haben", zieht Uwe Koch, Leiter des Projektes "Tore für Demokratie", Bilanz. Auch der Kontakt zu Europameister Mario Schulze sei beendet.

Begonnen hatten die Bemühungen des Landessportbundes um den einst sehr erfolgreichen Cottbuser Kampfsportverein im Herbst 2012. Damals stand der drei Jahre vorher gegründete KBTC auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung: Rund 80 Mitglieder, zahlreiche Kinder und Jugendliche im Training, mit Mario Schulze ein frischgebackener Europameister.

Sein Kampf bei der dritten Kickbox-Nacht des Vereins fand erstmals in der Cottbuser Lausitzarena statt. Der Verein schien im anerkannten Leistungssport der Stadt angekommen. Schulzes Europameistertitel bedeutete auch den Aufstieg in den Profibereich.
Doch zur selben Zeit hatte die RUNDSCHAU aufgedeckt, dass Verbindungen des Vereins ins rechtsradikale Milieu viel intensiver waren, als ein halbes Jahr vorher angenommen und dass eine klare Abgrenzung der Vereinsspitze auf sich warten ließ.

Dreh- und Angelpunkt dabei war von Anfang an der jetzt in Untersuchungshaft sitzende Markus W., mit einem Titel als Deutscher Meister erfolgreicher Spitzenkämpfer des KBTC, aber auch Mitglied der inzwischen verbotenen Neonazistruktur "Widerstand Südbrandenburg". Der Cottbuser gilt in Sicherheitskreisen auch als Scharnier zwischen Rechtsextremisten, Hooligans, Rocker- und Türsteherszene in der Lausitz.

Anfang 2012 war durch einen RUNDSCHAU-Bericht bekannt geworden, dass der rechtsextreme Kampfsportler im Frühsommer 2011 eine Mallorca-Reise in T-Shirts mit Hitler-Gedenk Aufdruck organisiert hatte. Dafür erhielt er wie alle Teilnehmer einen Strafbefehl wegen Volksverhetzung. Markus W. verließ kurz danach das Kickboxteam. Zwei andere Kämpfer mit rechtsradikalen Kontakten schieden wenig später ebenfalls aus.

Im Oktober 2012 wurde dann bekannt, dass Kickbox-Europameister Mario Schulze sowie ein Sponsor des Vereins auch zu den Teilnehmern der Hitler Gedenk-Tour gehörten. Und dass mehr als die Hälfte der Reisegruppe wegen der Teilnahme an rechtsextremen Konzerten, Partys, Propagandadelikten und Aktionen aktenkundig war.

Bei einem Vereinsturnier des KBTC im November 2012 saßen W. und ein anderer ExKämpfer mit rechtsextremem Hintergrund unter den Zuschauern.

Anfang Februar kündigte die Stadt Cottbus dem KBTC daraufhin den Nutzungsvertrag für das Training in der kommunalen Sporthalle. Das Verwaltungsgericht Cottbus wies einen Eil-Antrag des KBTC dagegen im Juni zurück. Das Vereinsturnier im November in der Trainingshalle sei ein Vertragsverstoß gewesen, so die Begründung.

Wo der Verein seit dem Rauswurf aus der kommunalen Halle trainiert und wie intensiv noch Kinder- und Jugendarbeit stattfindet, ist nicht bekannt. Eine Anfrage der RUNDSCHAU zur aktuellen Situation des KBTC blieb unbeantwortet.

Für Kickbox-Europameister Mario Schulze blieb die Anwesenheit bei der Festnahme von Markus W. in Österreich auch persönlich nicht ohne Folgen. Er beendete kurz darauf seine Arbeit als Anti-Gewalt-Trainer für das Bundesmodellprojekt "Gratwanderung" des Potsdamer Vereins Manne e. V.. Das Projekt befasst sich mit gewaltbereiten, rechtsextrem orientierten jungen Männern.

Ende Juni wurde auch der Stadtsportbund Cottbus aktiv. Das KBTC ist Mitglied im Stadt- und über diesen auch im Landessportbund. "Wir haben dem Kickboxteam schriftlich eine Reihe von Fragen zur Situation des Vereins gestellt", so Geschäftsführer Tobias Schick. Dabei ging es auch um die Reise von Beier und Schulze mit Markus W. in Österreich, die zufällig durch den Polizeieinsatz bekannt wurde.

Für die Antwort hatte der Stadtsportbund dem KBTC vier Wochen Zeit eingeräumt. Die Reaktion kam laut Stadtsportbund am Samstag, als die Frist endete und ohne näher auf die Anwesenheit des Vereinspräsidenten und des Spitzenkämpfers bei der Festnahme von Markus W. einzugehen.

Die KBTC-Spitze erklärte lediglich, dass sie über das "Privatleben einzelner Mitglieder" keine Auskunft geben könne. Als Sportverein sei man auch nicht verpflichtet, sich um die "Freizeitgestaltung" der Mitglieder zu kümmern. Gerüchte über eine drohende Auflösung des KBTC wies der Verein zurück.

"Für uns steht das öffentliche Bild von KBTC-Mitgliedern wie Steve Beier und Mario Schulze im Widerspruch zu der Demokratieklausel in der Vereinssatzung", stellt Stadtsportbund-Geschäftsführer Tobias Schick klar, dass die Angelegenheit damit nicht beendet ist.

Voraussichtlich schon Anfang August wird sich der Vorstand der Vereinssport-Organisation mit dem Thema KBTC befassen. Sollte es zu einem Ausschluss aus dem Stadtsportbund kommen, würde der Kickboxverein endgültig jede öffentliche Förderung und Unterstützung verlieren.