In den sechs Lausitzer Landkreisen in Brandenburg und Sachsen ist der Run auf Autokennzeichen, die Mitte der 1990er-Jahre ausrangiert wurden, ungebrochen. Zwischen 30 und nahezu 50 Prozent bewegt sich inzwischen der Anteil von Fahrzeugen mit Alt-Kennzeichen im Vergleich zu den Standard-Nummernschildern mit den Buchstaben-Kürzeln der Landkreise.

Seitdem ein Bundesgesetz von 2012 die Rückkehr zu den Kennzeichen möglich machte, die vor den Kreisgebietsreformen von Mitte der 1990er-Jahre in Sachsen und Brandenburg gültig waren, schwenkten Zehntausende Fahrzeughalter wieder um. Im Landkreis Görlitz fahren heute lediglich 46,5 Prozent der Fahrzeughalter das GR. Die Mehrzahl ist zurückgekehrt auf die alten WSW (Weißwasser), NY (Niesky), LÖB (Löbau), NOL (Niederschlesischer Oberlausitzkreis) und ZI (Zittau). Im Oberspreewald-Lausitz-Kreis setzen knapp über 30 Prozent auf SFB (Senftenberg) und CA (Calau) anstatt auf OSL.

Für die Geschäftsführer der Landkreistage in beiden Ländern ist die Rückbesinnung auf Alt-Kennzeichen kein Votum gegen die neuen Kreise, aber für die Heimatstädte. Brandenburgs Paul-Peter Humpert räumt ein, dass es der Wunsch gewesen sei, dass die neuen Landkreise identitätsstiftend wirken. "Das ist im Land sehr unterschiedlich", sagt Humpert. Sein sächsisches Pendant André Jacob verweist auf zwei Kreisgebietsreformen, zuletzt 2008. "In so kurzer Zeit wächst keine Identität zu einem Kreis", sagt er.

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