Laut einer Umfrage wachsen mehr als 60 Prozent der Kinder ohne Geschwister auf. Nur 1,6 Prozent leben laut dem Statistischen Landesamt in einer Großfamilie mit vier und mehr Kindern. „In Sachsen haben zwar überdurchschnittlich viele Familien ein Kind, aber eben nur eins“, sagte Peter Patt, Vorsitzender des Familienverbandes Sachsen. Den Eltern müsse mehr Mut gemacht werden, sich für Geschwister zu entscheiden. Patt ist selbst vierfacher Familienvater. Der 48-Jährige weiß, mit welchen Problemen Großfamilien kämpfen: Nicht nur ein großes Fahrzeug muss her, auch die Mietwohnung wird zu klein. Und oft sind es auch kleine Dinge: „Man hat eben nur zwei Knie, alle Kinder auf einmal zu trösten oder auf den Schoß zu nehmen, ist schwer.“

Laut Patt scheitern vor allem junge Akademikern bei einer größeren Familienplanung an befristeten Arbeitsverträgen und Projekten. Dennoch sieht er Sachsen in punkto Familienfreundlichkeit gut aufgestellt: So können Eltern mit drei oder Alleinerziehende mit zwei Kindern dank dem Familienpass kostenlos Museen, Burgen oder Schlösser besuchen. „Zudem steigt mit zunehmender Zahl der Kinder auch die Zuwendung, das ist ein guter Ansatz“, macht er Mut. Eltern bekommen für ihre ersten beiden Kinder je 184 Euro Kindergeld im Monat, für das Dritte 190 Euro, für jedes weitere 215 Euro. Ab dem dritten Kind werden alle weiteren Sprösslinge kostenfrei in der Kita betreut.

Die Evangelische Aktionsgemeinschaft für Familienfragen in Sachsen kritisiert die Sparpolitik. So wurde das Landeserziehungsgeld gekürzt. Zuschüsse für die Erholung von armen Familien seien wie das kostenlose Vorschuljahr gestrichen worden. Auch in Dresden ist laut dem Jugendamt die Ein-Kind-Familie mit 27 500 Haushalten im Jahr 2010 das verbreitetste Lebensmodell.