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Treffpunkt Mitfahrerparkplatz Duben – morgens 4.45 Uhr

FOTO: Ch. Taubert
Cottbus/Dresden. Die parkenden Autos am Ortsrand von Duben machen stutzig. Bei den Kennzeichen geht es bunt durcheinander: LDS, EE, B, CB, DD, SPN, P, OSL. Eine große Tagung in dem zu Luckau zählenden Ortsteil mit gerade einmal 200 Einwohnern? Mitnichten. An der Abfahrt Duben der A 13 liegt Brandenburgs ersten Mitfahrerparkplatz. Christian Taubert

Tobias Wachholz hat gerade seine Arbeitskollegen verabschiedet. Zu viert sind sie aus Mittenwalde nahe der Berliner Stadtgrenze gekommen. Dort haben sie einen Job als Schweißer bei einem großen Heiztechnikhersteller. Zu Hause sind sie alle im Spreewald - in Luckau, Lübben und Straupitz. In drei Pkw geht es jetzt Richtung Heimat. So, wie an jedem Arbeitstag: Um 4.45 Uhr ist Treffpunkt auf dem Mitfahrerparkplatz in Duben. Im Wechsel fährt jeder einen Tag mit dem eigenen Pkw. Gegen 15 Uhr sind sie bei Normalschicht wieder zurück.

Im Oktober 2013 ist der erste Mitfahrerparkplatz im Land Brandenburg freigegeben worden. "Wir waren natürlich schon viel früher hier", erzählt der 33-jährige Luckauer. Wachholz hat unterdessen das Handy am Ohr, organisiert das Training beim SV Blau-Weiß Kreblitz. Dort will er heute noch Fußball spielen. Er kann sich noch gut an die Jahre vor dem neuen Parkplatz erinnern. "Es war eine Buckelpiste", sagt er. Die Stadt Luckau habe die unbefestigte Fläche immer wieder auffüllen müssen. Und Wachholz erzählt auch davon, dass man im nahe gelegenen Landhotel Niewitz nicht gerade begeistert war, als dort Pkw tagsüber abgestellt wurden.

Die vielen Pendler zum Arbeitsplatz Richtung Berlin oder zur Lehre haben sich von den schlechten Bedingungen auf den Arealen zum "Parken + Mitfahren" aber nicht abschrecken lassen. "Wir sparen gut 50 Prozent an Spritkosten", rechnet Rico Kusche vor, der zur Mitfahrgemeinschaft der Schweißer gehört. Dazu werden das Auto und die Umwelt geschont. "Ich fahre schon 15 Jahre in Fahrgemeinschaften", sagt der 39-Jährige, der einen weiteren Kollegen in Lübben absetzt und dann weiter bis in sein Straupitzer Zuhause fährt.

Wie sich Mitfahrer finden, kann Rico Kusche aus eigener Erfahrung schildern. "Niemand sucht sich hier im Internet. Man bekommt auf Arbeit mit, wer aus der Region kommt, wo man selbst zu Hause ist." Es dauere keine zwei Wochen, dann stehe die Mitfahr truppe. Das kann Dennis Böhmke aus Landwehr bei Golßen bestätigen. Er ist mit 27 Jahren beruflich auf Tischler umgestiegen. An der Berufsschule hat er einen Azubi kennengelernt, mit dem er inzwischen von Duben aus die Fahrten teilt. "Ich spare pro Tag 65 Kilometer", sagt Dennis Böhmke.

Dass "Parken + Mitfahren" ab Duben mit dem neuen Stellplatz am Schnittpunkt von B 87 und A 13 noch attraktiver geworden ist, zeigt das beinahe täglich mit 71 Pkw - auch drei Behindertenparkplätze sind verfügbar - ausgelastete 3500 Quadratmeter große Areal. Dabei hat die Stadt Luckau lange beim Land gedrängt, bis Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD) dem Pilotprojekt für den Ortsteil Duben zugestimmt hat. Der Landesbetrieb Straßenwesen wurde für das Projekt verantwortlich gemacht. Die Baukosten in Höhe von 118 000 Euro sind komplett vom Bund getragen worden.

"Wir sind froh, dass die Zeit des wilden Parkens vorbei ist", erklärt Luckaus Bauamtsleiter Michael Krüger mit dem Hinweis darauf, dass "P+M" in Duben um gut 50 Parkplätze erweitert werden kann. "Wenn der Bedarf da ist, werden wir handeln."

Dazu haben sich die Sachsen an der A 4 bereits im Jahre 2012 gezwungen gesehen. Zwischen der Grenze zu Polen in Ludwigsdorf, Dresden und Richtung Erfurt sind gleich vier Mitfahrparkplätze entstanden. Zwei davon in Bautzen-Ost, wo die Bundesstraßen 96, 156 und 6 Pendler an die Autobahn bringen. Als sich der Bund am 21. Juni 2012 in einem Allgemeinen Rundschreiben zur kompletten Übernahme der Baukosten für derartige Projekte bekannt hat, "waren die Entscheidungen schon gefallen", weiß Isabel Siebert, die Pressesprecherin des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr in Dresden. Der Landkreis Bautzen habe damals auf Eile gedrängt, und der Freistaat hat zu 90 Prozent gefördert.

Seither ist es in Sachsen bei den vier Mitfahrparkplätzen geblieben. An der A 13 in Brandenburg, gleich nach der Abfahrt Duben in Richtung Berlin, kommt noch in diesem Jahr ein weiterer Mitfahrerparkplatz hinzu. Zurzeit stehen an der Abfahrt Freiwalde die Autos noch im Straßengraben und auf der Wiese. Der Bauarbeiter Björn Weissbach ist hier gerade von seinen Kollegen abgesetzt worden. Sie fahren weiter nach Burg. "Wenn sich die Bedingungen hier verbessern würden, das wäre schon wichtig", sagt der 44-Jährige aus dem nahe gelegenen Schönwalde, der Mitfahrgelegenheiten zur Arbeit seit Jahren nutzt.

Noch in diesem Jahr wird auf der gegenüberliegenden Straßenseite - unmittelbar neben der Autobahnmeisterei - ein befestigter P+M-Parkplatz entstehen, bestätigt der Planungsleiter beim Landesbetrieb Straßenwesen Frank-Dieter Manteufel der RUNDSCHAU. Die Gemeinde Bersteland hat mit den erforderlichen Baumfällungen bereits Baufreiheit geschaffen. "Es ist nicht länger tragbar, dass die Leute hier im Dreck stehen", zeigt sich der Amtsdirektor von Unterspreewald, Jens-Hermann Kleine, erleichtert über den Beginn des Vorhabens. Insgesamt 79 Kraftfahrzeuge sollen hier Platz finden. Die geplanten Kosten beziffert Kleine mit 251 000 Euro. Dabei muss die Gemeinde Bersteland die Planungsleistungen sowie die Kosten für die Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen tragen. Die Bauleistungen erstattet der Bund zurück.

Es ist 17 Uhr. "Feierabend" auf dem Dubener P+M-Parkplatz. Die noch hier stehenden Autos lassen sich an zwei Händen abzählen.

Zum Thema:
In einem Allgemeinen Rundschreiben hat sich der Bund am 21. Juni 2012 an die Kommunen gewandt und erklärt, die kompletten Baukosten für neu entstehende Mitfahrerparkplätze zu übernehmen. Die Gemeinden tragen die Planungsleistungen sowie die Kosten für die Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen.Hintergrund für das Engagement des Bundes sind vor allem Umweltaspekte. Mit dem Umstieg von mehreren auf ein Auto auf dem Weg zur Arbeit wird weniger Sprit verbraucht, die Umweltbelastung ist geringer, es sind weniger Fahrzeuge auf den Bundesstraßen und Autobahnen. Für die Nutzer von P+M ist die Kostenersparnis erstrangig, gefolgt von Umweltbewusstsein und Zeitersparnis. In Brandenburg gibt es zurzeit einen Mitfahrerparkplatz in Duben an der A 13. In Planung ist eine weitere P+M-Stellfläche an der A 13-Abfahrt Freiwalde. In Sachsen befinden sich die bisher vier Mitfahrerparkplätze alle an der Autobahn 4. Zwei davon am Verkehrsknoten Bautzen-Ost.