Sicherheitskonferenz die Meinungen über einen Militärschlag im Irak heftig aufeinander. Haupt-Exponenten: US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und der deutsche Außenminister Joschka Fischer (Grüne). Rumsfeld bekräftigte die Linie der Bush-Administration, wonach die Geduld mit dem irakischen Diktator Saddam Hussein jetzt unwiderruflich am Ende sei. Man könne nicht weiter erlauben, dass Saddams Waffenprogramme "jeden Tag tödlicher" würden. Die Risiken eines Krieges müssten abgewogen werden gegen die Risiken eines Untätigbleibens. Immer wieder erlaubte sich Rumsfeld Seitenhiebe gegen die deutsche Regierung. Die Regierung Schröder sah Rumsfeld in einem selbst gegrabenen "Loch".
Auch Fischer nahm kein Blatt vor den Mund. Bis heute habe er nicht verstanden, warum man gerade jetzt gegen den Irak losschlagen müsse, hielt Fischer dem US-Verteidigungsminister in einer engagierten Replik vor. Die Hausaufgaben der Koalition gegen den Terror in Afghanistan seien noch längst nicht erledigt und die politischen Folgekosten eines Irak-Krieges unkalkulierbar hoch. "Ich bin nicht überzeugt", rief Fischer Rumsfeld zu. Er teile nicht die optimistische amerikanische Auffassung, nach Beseitigung von Saddams Regime werde im Irak auf einmal eine "arabische Demokratie aufblühen". Und wenn der Besitz von Massenvernichtungswaffen und die Unterstützung von Terroristen Grund für einen Militärschlag seien, dann fielen ihm da "einige" ein.
Richtig böse wurde Rumsfeld, als er auf den Schutz des Nato-Mitglieds Türkei im Fall eines Irak-Krieges zu sprechen kam. Dass die Nato-Partner Gegenmaßnahmen "auf die lange Bank" schöben, "ist etwas, das man nicht entschuldigen kann". Wenigstens dieser Streit konnte entschärft werden.
Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) verkündete am Rande der Konferenz, dass "Patriot"-Raketenabwehrsysteme an die Türkei geliefert würden, allerdings von den Niederlanden. "Wenn es erforderlich ist", so Struck, würden auch Awacs-Überwachungsflugzeuge mit deutschen Soldaten dorthin entsandt.
Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel bekannte sich zum Einsatz militärischer Gewalt als "letzte Möglichkeit". Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber blieb deutlich zurückhaltender. Krieg könne nur "das aller-allerletzte Mittel sein", mahnte der CSU-Vorsitzende den amerikanischen Verteidigungsminister. Ausgerechnet der erstmals auf der Konferenz auftretende iranische Vizeaußenminister Gholamali Khoshroo sagte, "obwohl sein Land unter früheren Angriffen des Irak schwer gelitten habe, lehne man eine Konfliktlösung mit Gewalt grundsätzlich ab".
Am Samstagnachmittag platzten Meldungen in die Konferenz, Deutschland und Frankreich arbeiteten an einem neuen Vorschlag zur friedlichen Lösung des Irak-Konflikts, der unter anderem den Einsatz von Blauhelmen vorsieht. Kern des Papiers sei ein Vorschlag des französischen Außenministers im Weltsicherheitsrat, "die Zahl der Inspektoren zu erhöhen", teilte Verteidigungsminister Struck auf Drängen von Konferenzleiter Horst Teltschik mit. Die französische Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie verlor dazu kein Wort, sondern irritierte die Vertreter der deutschen Regierung stattdessen mit der Mitteilung, der Einsatz militärischer Gewalt könne "eine Notwendigkeit" werden.
Trotz des niedrigen Kenntnis- stands setzte es massive Kritik an den deutsch-französischen Ideen. Es sei "schwierig, sich etwas weniger Hilfreiches vorzustellen", sagte der britische Oberhaus-Abgeordnete Charles Powell. Der ehemalige Bundeswehr-Generalinspekteur Klaus Naumann bezeichnete die Initiative als "Hilfestellung für Saddam oder erbärmliches Spiel mit der Zeit".
Hinter dem Irak-Konflikt und den deutsch-amerikanischen Streitereien verblassten andere nicht minder explosive Konflikte der Welt. So flogen einmal mehr zwischen den verfeindeten Atomwaffen-Besitzern Indien und Pakistan verbal die Fetzen. Ebenfalls in den Windschatten der Irak-Krise geriet der israelisch-palästinensische Konflikt, was vor allem der iranische Vizeaußenminister Khoshroo bedauerte. Ganz am Schluss der Konferenz kam der Konflikt, der nach Ansicht einiger die Wurzel allen Übels ist, doch noch zur Sprache.