Das Traumhaus als Energiewunder: Der Freiberger Energieexperte, Uni-Dozent und Häuslebauer, Timo Leukefeld, will sich in seinem neuen Häuschen in einer Gartensiedlung am Stadtrand nie wieder Gedanken über steigende Energie- und Heizungspreise machen. Der 43-Jährige hat ein energieautarkes Haus mitentwickelt und will es nun praktisch erproben.

"Mit Sonnenenergie kann ich den Strombedarf komplett, den an Wärme zu etwa 65 Prozent decken", hofft er. Etwa 15-mal müsse er im Winter im Kamin des Wohnzimmers ein Feuer entfachen, dass die rund 9000 Liter Wasser in einem großen Speicher wieder erwärmt. "Die rund zwei Festmeter Holz dafür kosten etwa 150 Euro, die Energiekosten eines ganzen Jahres", hat er errechnet. Das Konzept beeindruckt sogar Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU), der die Baustelle heute besucht.

Zwei dieser Häuser entstehen derzeit in Freiberg. Deren Geheimnis ist im Grunde die Kombination von Fotovoltaik für den Strom und der Solarthermie für die Wärme. Auf den ersten Blick unterscheiden sich diese wenig von anderen rohbaufertigen Häusern: Ziegelwände, Betonfußboden, leere Fenster und Türen, Baugerüste, Staub, Baudreck.

Und doch gibt es Unterschiede: Das Dach - groß, schwarz und steil - ist mit Sonnenkollektoren und Solarzellen bestückt. Ein großer Bleiakku außen speichert die Elektroenergie für etwa drei Wochen. Es gibt einen Anschluss für das Elektroauto vor der Haustür. Im Inneren sorgt der 6,50 Meter hohe, ummauerte Langzeitwärmespeicher, 1,4 Meter im Durchmesser, in einigen Räumen für eine "runde Ecke".

Über die Sonnenkollektoren auf dem Dach - dünne Rohrleitungen unter einer Metallplatte, mit Flüssigkeit gefüllt, die von der Sonne erhitzt wird - werde das Wasser im Speicher bis Ende des Sommers auf bis zu 90 Grad erwärmt, die im Winter über eine Fußbodenheizung wieder abgegeben werden und in den Zimmern für die wohlige Temperaturen sorgen, erzählt Leukefeld. Der Bau des Hauses mit etwa 160 Quadratmetern Wohnfläche auf zwei Etagen koste etwa 400 000 Euro - rund 80 000 Euro mehr als vergleichbare, herkömmliche Häuser.

Die an seinem Haus angewendeten Technologien seien meist lange bekannt, sagt Leukefeld. "Diese sind hier nur intelligent zusammengefügt worden." Er will den Häuslebauer einen bezahlbaren Weg zeigen, wie mit Energie sparen und diese dennoch "intelligent verschwendet" werden kann. Keine Energiesparlampen, im Winter 24 Grad im Zimmer. "Die Sonne liefert die Energie frei Haus. Blödes Sparen oder intelligentes Verschwenden - darum geht es."

"Technisch ist eine energetische Verbesserung der Häuser kein Problem", sagt der Direktor des Verbandes der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Sachsen (vdw). "Aber ohne staatliche Förderung ist das für die Wohnungsunternehmen nicht zu machen - nicht, wenn die Mieten sozialverträglich gestaltet werden sollen."

Das Haus von Leukefeld interessiert inzwischen auch Energieerzeuger wie das Chemnitzer Unternehmen enviaM. "Wir würden bei Leukefeld das Nachheizen seines Langzeitspeichers in der energiearmen Zeit im Winter gern übernehmen", sagt Rico Freytag vom enviaM-Netzbetreiber Mitnetz Strom. Zudem sei auch dessen Bleiakku für den Solarstrom energietechnisch interessant. Das Unternehmen darf diesen als Pufferspeicher nutzen.

D erzeit gebe es im Bereich des Unternehmens etwa 16 500 Solaranlagen auf den Dächern von Wohnhäusern. Wenn dort überall Bleiakkus stünden sei das eine beachtliche Speicherkapazität. Wenn mehr Strom im Netz sei als benötigt werde, könne das Unternehmen die überschüssige Energie dort zeitweise zwischenspeichern. Alternative Energieanlagen müssten dann in solchen Fällen dann nicht mehr wie üblich abgeschaltet werden. An dem energieautarken Haus will das Unternehmen die Technik dazu erproben und das Elektro-Aut o testen.