Gespannt und neugierig schaut die Öffentlichkeit auf die Verwandlung der einstigen Grube. Ende 2007 soll vor den Toren der deutsch-polnischen Grenzstadt Görlitz ein See mit rund 960 Hektar Fläche liegen. Ideen, was das Leben rund um das Gewässer attraktiv machen könnte, gibt es reichlich. Ein Entwicklungsplan liegt vor.
Die Anliegerorte Görlitz, Schönau-Berzdorf und Mar kersdorf wollten den See als Ganzes entwickeln, nennt Andreas Schaaf vom Stadtplanungsamt in Görlitz einen Grundsatz. Längst ist klar, dass am nördlichen Ufer ein Campingplatz und ein großer Badestrand entstehen sollen. Im Süden, in Tauchritz, ist ein Wassersportzentrum mit Segel-und Jachthafen geplant. Eine Halbinsel ragt an dieser Stelle in den See hinein. Dort befand sich einst der Grabenbunker, wo die Kohle aus dem Tagebau ankam und ins benachbarte Kraftwerk Hagenwerder weiter transportiert wurde. Aus dem ehemaligen Graben ist inzwischen ein Hafenbecken geworden, mit 65 Metern Breite,vier Metern Tiefe und einer etwa 150 Meter langen Kaimauer.

Dorfrest als Anziehungspunkt
Eine Fahrgastschifflinie könnte im Hafen starten und vier weitere Anlegestellen am See ansteuern, etwa bei den früheren Tagesanlagen in Tauchritz. Wo einst die Dusch- und Umkleideräume für die Bergleute untergebracht waren, wird möglicherweise eine Ferienhaussiedlung mit Abenteuerspielplatz Urlauber anlocken. Touristisch anziehend sollen die Reste von Deutsch-Ossig werden. Das Dorf musste einst dem Braunkohleabbau weichen. Drei Höfe mit jeweils mehreren Gebäuden und einige Einzelhäuser stehen noch am Rand der früheren Grube.
Anspruchsvoll nennt Andreas Schaaf die Aufgabe, den Überbleibseln des ehemaligen Ortes wieder Leben und Ausstrahlung zu geben. „Neben Gaststätten, Unterkünften und einer Tauchsportbasis könnten sich vielleicht Kunsthandwerker in den Häusern ansiedeln“ , überlegt der Stadtplaner. Behutsam sollte der alte Bestand von Deutsch-Ossig ergänzt werden. Für größere Bauten, etwa Hotels, eigne sich das Hafengelände in Tauchritz besser, findet Schaaf. Ein etwa 18 Kilometer langer Rundweg wird alle Bereiche am See miteinander verbinden. Das erste asphaltierte Stück - 1,6 Kilometer lang - wurde bereits im August vergangenen Jahres unweit von Deutsch-Ossig übergeben.
Nun gilt es, keine Zeit zu verlieren, während das Tagebauloch voll läuft. Schnellstmöglich müssen die Ideen auf Papier im Detail umgesetzt werden. „Gesucht werden Leute mit finanziellem Potenzial, die Freizeit- und Erholungsanlagen am See betreiben wollen“ , sagt Schaaf.

Sichttiefen bis zu zehn Meter
Experten haben herausgefunden, dass Wassersportler am Berzdorfer See dauerhaft gute Windverhältnisse und Sichttiefen bis zu zehn Metern vorfinden werden. Das allein sowie die traumhafte Lage mit der Nähe zur Heide- und Teichlandschaft, zum Riesengebirge und zur Denkmalsstadt Görlitz reichen jedoch nicht aus, um Touristen von weither anzulocken.
Im Verkehrskonzept wird davon ausgegangen, dass sich an Spitzentagen 5500 bis 7500 Besucher südlich der Europastadt Görlitz/Zgorzelec tummeln könnten. Die Planer setzen dabei auch stark auf Gäste aus Polen und Tschechien. Auf den Erlebnistag, der im vergangenen Jahr am See stattfand, hatten erstmals Faltblätter in Deutsch und Polnisch hingewiesen. Zwischen 3000 und 4000 Menschen waren damals zur Veranstaltung gekommen. Wenn morgen südlich von Deutsch-Ossig offiziell das erste Wasser aus der Neiße in den See strömt, werden sicher zahlreiche Schaulustige das Ereignis beobachten.

Hintergrund Der Berzdorfer See
 Der Berzdorfer See entsteht aus dem gleichnamigen früheren Tagebau. Dort war seit 1835 Braunkohle abgebaut worden, zunächst in Tiefbauschächten, ab 1919 über Tage. Als die Kohle anderswo kostengünstiger gefördert werden konnte, wurde der Betrieb 1927 eingestellt und die Grube mit Wasser geflutet. Wegen des wachsenden Energiebedarfs nach dem Zweiten Weltkrieg ging der Tagebau 1946 wieder in Betrieb. 3500 Bergleute arbeiteten dort in Spitzenzeiten. Als das benachbarte Kraftwerk Hagenwerder Ende 1997 als Hauptabnehmer vom Netz ging, lief auch die Kohleförderung aus.