An den Wänden der kleinen Werkstatt hängen die Posaunen ordentlich aufgereiht nebeneinander. Bis Sumito Ikoma solche Schmuckstücke selbst bauen wird, werden noch mehr als zwei Jahre vergehen. Der gebürtige Japaner lebt seit September 2015 in Markneukirchen und lernt im ersten Lehrjahr den Beruf des Metallblasinstrumentenbauers. Drei Jahre lang wolle er bei seinem Lehrmeister Stephan Voigt und dessen Vater Helmut lernen. "Wenn Stephan Lust hat mich zu übernehmen, möchte ich auch nach meiner Ausbildung noch hier bleiben", sagt der 27-Jährige.

Aufgewachsen ist Ikoma in Nara auf Japans Hauptinsel Honshu. Die Stadt mit rund 360 000 Einwohnern in der Nähe von Osaka gilt als das historische Zentrum des Landes, wie der Auszubildende erzählt. Markneukirchen hat im Vergleich zwar nur rund 8000 Einwohner. Nach 350 Jahren gilt der Ort aber noch immer als Wiege des deutschen Orchesterinstrumentenbaus.

Von dieser weitreichenden Tradition hatte Ikoma allerdings zunächst "keine Ahnung", wie er gesteht. Mit 13 Jahren zog es ihn ins Blasorchester seiner Schule. "Posaune spielen sieht geil aus", begründet er seine Wahl. Aus dem Hobby wurde ein Beruf und er lernte, wie man die Instrumente repariert. "Da entstand der Wunsch, Instrumente mit meinen eigenen Händen zu bauen."

In Japan habe er allerdings keine Chance gesehen. Also versuchte er es in den USA. Dort sei er jedoch aufgrund mangelnder Erfahrung abgeblitzt. "Dann habe ich die Richtung gewechselt und mich von Japan aus nach Westen gewandt." In ganz Deutschland klapperte er Ausbildungsbetriebe ab - bis er vor Stephan Voigts Tür stand und eine Zusage bei dem Traditionsbetrieb erhielt, der in neunter Generation Musikinstrumente fertigt. "Seine Motivation hat mich so beeindruckt, dass ich ihn nicht einmal habe zur Probe arbeiten lassen", sagt Voigt. Bei seiner Arbeit an einer norwegischen Schule für Musikinstrumentenbauer habe er selbst schon internationale Luft geschnuppert.

"In den 90er-Jahren allerdings war es noch verrufen, einen Lehrling zu nehmen, der nicht von hier stammt", erzählt der 45-Jährige. Viele seiner Kollegen hätten befürchtet, dass dem Vogtland nur das Know-how abgeschöpft werde.

Als Japaner ist Sumito Ikoma zwar immer noch ein seltener Anblick, aber längst nicht mehr der einzige Musikinstrumentenbauer mit ausländischen Wurzeln in Sachsen. Von aktuell 36 Studenten im Fachbereich Musikinstrumentenbau in der Außenstelle Mark-neukirchen der Westsächsischen Hochschule Zwickau (WHZ) kommt jeder vierte aus dem Ausland. Waren es bis 2013 in der Regel eine Handvoll ausländischer Studenten, könne sich die WHZ seither über steigende Zahlen freuen, berichtet eine Sprecherin.

Neben den WHZ-Studenten lassen sich nach Auskunft der Handwerkskammer Chemnitz im Vogtland derzeit 13 junge Menschen zum Musikinstrumentenbauer ausbilden. Hinzu kommen 2016 neun angehende Meister. Seit Jahren seien nach Angabe der Pressestelle insbesondere unter den Meistern Menschen aus ganz Europa. Voraussetzung, um bei Studium oder Ausbildung mitzukommen: ausgezeichnete Deutschkenntnisse. Ikoma eignete sich die Sprache in gerade einmal sechs Monaten an. Auf den größten Kulturschock habe ihn die Berliner Sprachschule allerdings nicht vorbereiten können: "Vogtländisch und Sächsisch - am Anfang war es sehr schlimm, ich habe nichts verstanden", erzählt er.

Verständigungsprobleme habe er inzwischen keine mehr - im Gegenteil. Auch hier haben ihm die Musik und das Handwerk geholfen. Jeden Dienstagabend spielt er Posaune im Blasorchester Mark-neukirchen, dem vor allem Musikinstrumentenbauer angehören. Habe er dann noch nicht genug, treffe er seine zwei WG-Mitbewohner, ebenfalls angehende Musikinstrumentenbauer mit einer Vorliebe für Tuba und Gitarre.