Kulturstaatsminister Bernd Neumann ( CDU) hat das Werk der verstorbenen Schriftstellerin Christa Wolf gewürdigt. Deutschland verliere mit ihr „eine der bedeutendsten gesamtdeutschen Autorinnen der Gegenwart“, sagte Neumann in Berlin. Ihre Figuren seien aus der deutschsprachigen Literatur nicht mehr wegzudenken. In ihrer Person hätten sich aber auch die Brüche der zurückliegenden Jahrzehnte gespiegelt. Wolf habe sich nach der Wende der politischen Realität gestellt, „auch wenn schmerzhafte Verwundungen die Folge waren “.

Mit Christa Wolf ist nach den Worten des Präsidenten der Berliner Akademie der Künste, Klaus Staeck, ei ne der wirkungsmächtigsten deutschen Schriftstellerinnen gestorben. „Kaum eine andere Autorin der letzten Jahrzehnte konnte für sich in Anspruch nehmen, als moralische Instanz der DDR-Leserschaft und zugleich als Identifikationsfigur einer großen Zahl westdeutscher Leserinnen und Leser zu gelten“, sagte Staeck. Wolfs Werke setzten Wegmarken bei der Aufarbeitung des „gewöhnlichen“ Faschismus („Kindheitsmuster“), in der Rezeption antiker Mythen („Kassandra“, „Medea“) und mit der Wiederentdeckung der Romantik („Kein Ort. Nirgends“ ). Der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) würdigte die Schriftstellerin als eine weltweit gehörte Stimme der deutschen Literatur. Wie nur wenige habe sie es verstanden, die wechselvolle Geschichte der vergangenen Jahrzehnte in Romanen und Essays widerzuspiegeln, erklärte er.

Linksfraktionschef Gregor Gysi nannte Wolf eine „wirklich große deutsche Schriftstellerin“ und „sehr engagierte Frau“. Wolf habe „regelmäßig unser Herz, unsere Seele berührt“. Die Parteivorsitzende Gesine Lötzsch sagte, der Tod der Schriftstellerin reiße eine „große Lücke“ sowohl in Deutschland als auch in Europa und in der Weltliteratur. Lötzsch kritisierte zugleich, dass Wolf in Deutschland nach der Wiedervereinigung „nicht immer fair“ behandelt worden sei.

Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz zei gte sich bestürzt über den Tod der Autorin. Wolf sei „eine der großen Frauen der deutschen Literatur“ gewesen, sagte Schmitz. „Die Autorin von ,Der geteilte Himmel‘ war freie Schriftstellerin in einem diktatorischen Regime, und sie hat auf eigene Weise ihre Position dem Staat gegenüber dokumentiert.“

Der Frankfurter Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki äußerte sich nach dem Tode Christa Wolfs versöhnlich. „Sie war eine mutige Schriftstellerin, die die zentralen Fragen ihrer Zeit und ihrer Problematik ausdrücklich behandelt hat“, sagte er. Lange Zeit hatte Reich-Ranicki ihrem Werk eher ablehnend gegenübergestanden, er hatte sie eine „weit überbewertete Autorin“ genann t.

Die Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth würdigte Christa Wolf als eine der wichtigsten deutschen Schriftstellerinnen. Die Autorin habe minutiös und einfühlsam die Konflikte zwischen Individuum und Gesellschaft sowie die Lebenswirklichkeit im geteilten Deutschland beschrieben.