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| 04:11 Uhr

Trainerlegende Jutta Müller wird 80

Sie ist eine Legende schon zu Lebzeiten: Am heutigen Samstag feiert die erfolgreichste Eiskunstlauf-Trainerin der Welt, Jutta Müller, ihren 80. Von Heiko Meixner

Geburtstag. Insgesamt 57 Medaillen errang sie mit ihren berühmten Schützlingen von Gaby Seyfert über Katarina Witt bis hin zu Evelyn Großmann bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften. Dennoch ist die Chemnitzerin bodenständig geblieben. "Ich werde in Familie, mit Freunden und Weggefährten feiern", verrät sie. Wirbel um ihre Person ist ihr fremd, an ihrem Ehrentag jedoch unvermeidlich. Ihre Heimatstadt sagte DankeAm Freitag wurde sie von der Stadt Chemnitz zur Ehrenbürgerin ernannt. "Wir wollen damit einer beeindruckenden Frau Danke sagen: Danke für die von ihr maßgeblich unterstützte Entwicklung des Eislaufsports, die Förderung junger Talente und das Engagement für ihre Stadt", sagte Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD). "Ich freue mich sehr. Mit meiner Heimatstadt war ich immer stark verbunden und bin es noch", betonte Müller. Den Antrag eines inzwischen in Wien lebenden Chemnitzers gegen die Verleihung der Ehrenbürgerschaft hatte zuvor das Verwaltungsgericht Chemnitz abgelehnt. Es begründete seine Entscheidung damit, es sei nicht ersichtlich, in welchem öffentlichen Recht der Mann verletzt werde. Dieser hatte sich an Müllers DDR-Vergangenheit gestört und ihr sowie ihren Sportlern Stasi-Kontakte vorgeworfen. Müllers Begeisterung für das Eiskunstlaufen ist ungeachtet dessen ungebrochen. Mit Enthusiasmus trainiert sie noch immer dreimal pro Woche auf der Eisfläche im Chemnitzer Küchwald den sächsischen Nachwuchs. "Meine Aufgabe ist es, aus den Trainingsgruppen die Besten herauszuziehen und zu fördern. Ich mache das aber auch für mich. Ich bleibe dadurch selbst jung", stellt Müller fest. Seit 1976, als die Halle gebaut wurde und Chemnitz sich zum Leistungszentrum Eiskunstlauf der DDR entwickelte, hat sie auf der Galerie ihr kleines Büro und hat es nie geräumt. Auf der Eisfläche darunter trainierte sie schon Jan Hoffmann, führte ihn 1980, am Ende seiner Karriere, noch einmal zum Weltmeistertitel. Im selben Jahr schaffte sie mit Anett Pötzsch im US-amerikanischen Lake Placid ihren ersten Olympiasieg. Auch sie übte auf diesem Eis. Und schließlich formte Müller hier Katarina Witt von Kindesbeinen an zum Star, machte sie zur zweifachen Olympiasiegerin und vierfachen Weltmeisterin. "Chemnitz, die Halle hier, ist meine Heimat", sagt Müller zufrieden: "Ich habe hier all die Jahre unheimlich gute Trainingsbedingungen vorgefunden." Nach der Wende hatte sie die Chance, als Honorartrainer weiter im Spitzensport tätig zu sein. Doch Müller ließ es nach dem Europameistertitel mit Evelyn Großmann langsam ausklingen und verschrieb sich trotz schlechterer Bedingungen in Chemnitz der Nachwuchsförderung. "Es fehlt die Breite", bedauert Müller, die weiter am Sport hängt: "Wenn früher 200 Kinder zur Sichtung kamen, kommen heute 20." Vier Jugendliche zwischen 14 und 16 Jahren betreut sie, gibt Einzelstunden und Tipps aus ihrem Erfahrungsschatz. Disziplin und Anspruch fehlenEine wie Witt hat Müller nie mehr geformt. "Die Kinder heute lassen sich auch schnell ablenken. Es fehlt an täglicher Trainingsdisziplin und einem hohen persönlichen Anspruchsniveau", sagt sie.