Nichts deutet am Donnerstagmorgen in der Siedlung am Forster Edelweißweg in der Nähe des Rosengartens auf die nächtlichen Ereignisse hin. Gepflegte Anwesen, meist eingeschossige Einfamilienhäuser mit Garagen und Schuppen, liegen im Morgennebel. Dazwischen eine unbefestigte Straße. Forst wirkt hier am Rande der Stadt ländlich. Nur wenige hundert Meter entfernt fließt die Neiße, die Grenze zu Polen.

Es ist morgens um halb vier, als ein Anwohner bemerkt, dass drei Männer versuchen, seinen Schuppen aufzubrechen. Er kann sie in die Flucht schlagen, alarmiert aber sofort die Polizei. Zusammen mit der an der Grenze tätigen Bundespolizei nehmen die Beamten die Verfolgung der Einbrecher auf, die auf gestohlenen Rädern versuchen zu entkommen. Einen Grenzübergang gibt es hier in unmittelbarer Nähe nicht.

Für den Jüngsten aus dem Trio, einen 17-jährigen Polen, endet die Flucht am nahegelegenen Neißewehr. Dort nimmt ihn die Bundespolizei fest. Die andern beiden Einbrecher springen in die fünf Grad kalte Neiße, um nach Polen zu gelangen. Sie kommen bis zu einer dort befindlichen schmalen Insel, steigen auf deren Rückseite wieder in den eiskalten Fluss.

Vergebliche Reanimation

Die deutschen Beamten ahnen wohl die Gefahr für die Flüchtigen. Sie rennen zum Mühlgrabenwehr, überwinden das Absperrgitter. Wenige Meter entfernt stellen auch die Absperrgitter des Neißewehrs keine Hürde für sie dar. Am polnischen Neißeufer eilen sie den Männern im Wasser zu Hilfe.

Ein 22-Jähriger ergreift die rettenden Hände der Beamten, lässt sich aus dem Wasser ziehen. Sein 28-jähriger Begleiter bleibt im Fluss und geht plötzlich unter. Ohne Rücksicht auf die Gefahr für ihr eigenes Leben springen zwei Polizisten in die Neiße und ziehen den Leblosen heraus. Trotz sofort begonnener Reanimation stirbt der Pole kurz darauf im Rettungswagen.

Die Siedlung in Forst, in der die Flucht des Trios begann, ist immer wieder Ziel von Einbrechern. Seit einem Jahr sei eine deutliche Zunahme der Einbrüche zu beobachten, erzählt ein Anwohner, der anonym bleiben will. Garagen und Schuppen wurden aufgebrochen. Werkzeuge wie eine hydraulische Spaltaxt und eine Kreissäge wurden gestohlen, ebenso Angelzubehör, Rasenmäher und Fahrräder.

Der Anwohner zeigt die Häuser in der Nachbarschaft, die schon von Diebstählen betroffen waren. Es sind viele. Dabei würden die Täter immer dreister. Er selbst habe schon mal nachts eine Gruppe junger Männer in der Straße beobachtet. Fußgänger sind hier in der Dunkelheit selten unterwegs. Die Straße endet auf einem Feld.

Vom neuerlichen Einbruchversuch und dem tragischen Ende der Flucht für einen der Täter hat der Anwohner aus dem Edelweißweg gehört. Bewerten will er den Vorgang nicht. "Wenn so ein versuchter Einbruch so endet, dann ist das natürlich tragisch", sagt er nur.

Mehr Glück als der tote 28-Jährige hatte ein Pole, der auf der Flucht vor der Polizei im Januar 2012 versuchte, im Bad Muskauer Pücklerpark die Neiße zu durchschwimmen. Er war entdeckt worden, als er auf deutscher Seite des Flusses versucht hatte, ein Auto zu stehlen. Durch die Strömung der Neiße war er abgetrieben worden und kam aus eigener Kraft nicht mehr auf das polnische Ufer. Ihn konnten Polizisten jedoch rechtzeitig herausziehen, bevor er unterging. Im September 2013 holten Beamte des Polizeireviers Zittau-Oberland einen 35-jährigen Mopeddieb aus der Neiße.

Todesumstände werden ermittelt

Im Fall des toten Fahrraddiebes vom Donnerstagmorgen in Forst hat die Staatsanwaltschaft Cottbus ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Am Donnerstagnachmittag beantragte die Staatsanwaltschaft beim Amtsgericht Cottbus die Obduktion des Leichnams, um feststellen zu lassen, wodurch er genau starb. Seine Angehörigen werden über die polnische Botschaft über seinen Tod informiert.

Der aus der Neiße gerettete, stark unterkühlte 22-Jährige konnte noch am Nachmittag durch die Polizei vernommen werden. Danach kam er auf freien Fuß. Der festgenommene 17-Jährige wurde zunächst zum Kinder- und Jugendnotdienst in Cottbus gebracht, weil es der Polizei nicht schnell genug gelang, seine Eltern in Polen ausfindig zu machen. Sobald sie gefunden sind, wird ihnen ihr Sohn übergeben.

Zum Thema:
Die Grenzregion der Lausitz leidet unter einer erhöhten Zahl von Diebstählen und Einbrüchen. Im Brandenburg ereigneten sich im Jahr 2013 elf Prozent aller Straftaten in Grenzgemeinden. Das entsprach einem Anstieg von 9,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gestohlen werden besonders Autos und Fahrräder, von Einbrüchen sind Privathäuser und Wohnungen ebenso betroffen wie Firmenräume.Die Aufklärungsquote von Straftaten in Brandenburger Grenzgemeinden stieg 2013 leicht gegenüber dem Vorjahr an. Bei Diebstählen betrug sie jedoch nur 34 Prozent.Auch in Sachsen lag die Kriminalitätsrate in den Grenzgemeinden über dem Landesdurchschnitt mit vergleichbar strukturierten Regionen.