Als das Flugzeug mit 96 Insassen am Samstag bei Smolensk abstürzt, warten in der nahen Gedenkstätte Katyn auf dem polnischen Soldatenfriedhof viele Menschen auf die Delegation aus Warschau. Dann über Lautsprecher die unfassbare Nachricht: Der Präsident, der an diesem Tag in Russland an den Stalin-Terror erinnern wollte, ist tot. Die Anwesenden brechen in Tränen aus, sie beten, halten Rosenkränze. Fremde Menschen, unter ihnen viele betagte Nachkommen der mehreren Tausend Katyn-Opfer, umarmen und trösten sich. Russen und Polen sind unter Schock. Immer wieder weinen Menschen beim Anblick der leeren Sitze in Katyn, wo Kaczynski, seine Frau Maria und die hohe Delegation Platz nehmen sollten. Die Stühle werden zum Symbol der traurigen Leere, die viele plötzlich spüren. Wie verloren steht neben dem zentralen Mahnmal in Katyn ein hohes leeres Gestell, auf das Kaczynski einen Kranz für die Opfer legen wollte. Es ist ein tragisches Ende an einem tragischen Ort: 70 Jahre nach dem Massenmord von Katyn verliert Polen in der Region erneut einen Teil seiner Elite. "Ein verfluchter Ort!", entfährt es vielen Polen. Kurz nach der Katastrophe zeigt das russische Fernsehen erschütternde Bilder von der Absturzstelle etwa zwei Kilometer südlich der Stadt Smolensk. Das Mittelstreckenflugzeug vom Typ Tupolew-154 hat beim Aufprall auf Bäume eine gewaltige Schneise in einen Wald geschlagen. Neben umgerissenen Bäumen stecken rauchende Trümmer der Maschine tief im Boden. In einem Wipfel hängt das Fahrwerk. Aus einigen Wrackteilen des in den polnischen Farben Rot und Weiß gestrichenen Flugzeugs ist das Klingeln von Mobiltelefonen zu hören. Feuerwehrleute versuchen, das brennende Wrack zu löschen. Es ist ein Bild des Grauens. In Warschau spricht der polnische Ex-Präsident Alexander Kwasniewski von einer "schrecklichen Symbolik". Die Frage, die sich viele nun stellen: Wird diese neue Tragödie zwischen Russen und Polen zur weiteren Belastung oder kann sie zur schnelleren Versöhnung führen? Russland jedenfalls verneigt sich seit Samstag in ergreifender Form vor den Opfern. Kreml-Chef Dmitri Medwedew hat für den heutigen Montag Staatstrauer in Russland angeordnet - eine große Geste.