Nein, Barbara Klepsch lachte mit beiden Augen. Doch was soll man auch sagen, so frisch im neuen Amt, wenn alle wissen wollen, wie es denn so ist. Da sagt man halt, dass man das schöne Annaberg-Buchholz schmerzlich vermissen werde, die innig geliebte Heimatstadt, wo man so lange Oberbürgermeisterin war.

Dabei verschwieg Klepsch lieber, dass sie ihr innig geliebtes Annaberg-Buchholz mit einem massiven Problem zurücklässt: In zwei Wochen beginnt der Weihnachtsmarkt - aber es gibt noch keinen Weihnachtsmann. Ohne Rathauschefin, das mag eine Weile gehen. Aber ohne Weihnachtsmann, gerade jetzt, mitten im sächsischen Weihnachtsland - Gott bewahre! Die Stadtverwaltung sucht händeringend. "Wer sich schon immer mal einen Kindheitstraum erfüllen und einmal Weihnachtsmann spielen wollte", so der Aufruf, der soll schnellstens anrufen. Gesucht wird eine Person, "die liebevoll die Kinder in der Weihnachtsmannstube auf der Bühne des Weihnachtsmarktes empfängt".

Das entspricht in etwa der Stellenbeschreibung einer Ministerin für Soziales und Verbraucherschutz. Nur ganzjährig. Die Ministerin ermahnt die lieben Kinderlein noch zum Händewaschen, vor und nach dem Essen. Und bei Geschenken ist sie knallhart: Was drin steckt, muss drauf stehen, was drauf steht, muss drin sein. Sonst weinen beide Augen.