| 18:36 Uhr

Tower mit Dachterrasse

Blick auf das Flugfeld vom Tower am 23.08.2017 in Berlin am ehemaligen Flughafen Tempelhof. Der Tower des Flughafens soll nach den Baumaßnahmen allen Besuchern zugänglich gemacht werden.
Blick auf das Flugfeld vom Tower am 23.08.2017 in Berlin am ehemaligen Flughafen Tempelhof. Der Tower des Flughafens soll nach den Baumaßnahmen allen Besuchern zugänglich gemacht werden. FOTO: Britta Pedersen (dpa-Zentralbild)
Berlin. Das Flughafengebäude Tempelhof soll in den kommenden Jahren Schritt für Schritt wieder ein öffentlicher Ort werden. Den Anfang macht der Umbau des westlichen Kopfbaus mit dem Tower, der bis 2020 denkmalgerecht saniert werden soll, kündigten Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) und Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) am Mittwoch an. dpa

In die Sanierung des markanten Treppenhauses, des gläsernen Towers und den Bau einer hölzernen Dachterrasse fließen vier Millionen Euro vom Bund und zwei Millionen Euro vom Land. Die Bundesmittel sind möglich, weil das Bauministerium den Flughafen mit seiner wechselvollen Geschichte als nationales Projekt des Städtebaus anerkennt.

Sperrig, rau, monumental - es braucht viele Adjektive, um den riesigen Gebäudekomplex am ehemaligen Flughafen Tempelhof, der 2008 geschlossen wurde, zu beschreiben. Wie ein halbrunder Klotz trennen die alten Hangars mit der beeindruckenden Abflughalle in ihrer Mitte, den szenigen Bergmann-Kiez von der grünen Oase Tempelhofer Feld. Das hat sich seit seiner Öffnung zu einer der beliebtesten Freizeitflächen entwickelt - samt Skaten auf der Landebahn.

„Das Gebäude soll nicht länger eine Barriere, sondern Brücke zur Stadt und Tor zum Feld sein“, sagt Jutta Heim-Wenzler, seit August Geschäftsführerin der Tempelhof Projekt GmbH. Sie hat den Plan, die Abflughalle in Zukunft wieder als Eingang zu nutzen - samt Besucherzentrum. Gastronomie wäre auch schön, sagt Heim-Wenzler. Einen genauen Plan dafür gibt es noch nicht, allein freundlich klingende Stichworte: Quartier für Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft.

„Das ist kein Haus, sondern ein Quartier“, betont Lompscher. Für die Öffnung des gesamten Gebäudes brauche es Zeit. Fest steht als erster Schritt die Sanierung des westlichsten Flügels am Tempelhofer Damm. Vom Tower, der wie ein eckiger Pilz auf dem Dach klebt, sollen Besucher in zwei bis drei Jahren wieder einen Rundblick auf Stadt und Feld haben, der früher nur Fluglotsen vergönnt war. Dazu soll eine Begehung des Dachs auf einer hölzernen Terrasse möglich werden. Eine Geschichtsgalerie soll hier ihren Platz finden, auch drinnen soll es in der obersten Etage einen Ausstellungsraum geben. Zu mehr werden die sechs Millionen Euro kaum reichen.

Die Bespielung des Gebäudes ist ansonsten eine wilde Mischung. Noch immer leben Flüchtlinge in einigen Hangars, in neuen Wohncontainern sollen sie bis 2019 weiter auf dem Gelände leben. Die Volksbühne will einen Hangar mit Theater füllen. Für andere Teile wünscht sich der Bezirk „mittelständische Kreativwirtschaft“. Wobei über den schlechten baulichen Zustand des Gebäudes mit seinem Stahlskelett kein Zweifel herrscht - eine millionenschwere Grundsanierung dürfte unumgänglich sein. Bleibt die Frage, wer das zahlt.

Der Flughafen Tempelhof war einer der ersten Verkehrsflughäfen Deutschlands. Schon 1923 begann der Linienverkehr. 1936 bis 1942 errichteten die Nationalsozialisten das heutige Flughafengebäude, rund 300 000 Quadratmeter groß. Mit dem Zweiten Weltkrieg entstanden in den Hangars Waffenschmieden mit Zwangsarbeitern, auf dem Gelände ein Konzentrations- und ein Krieggefangenenlager, die Keller dienten bald als Bunker. Die Luftbrücke mit ihren Rosinenbombern und der Mythos vom Tor zur Freiheit überlagerten zur Zeit der deutschen Teilung dieses dunkle Kapitel. Ein Volksentscheid versuchte 2008 die Schließung des Flughafens zu verhindern - die nötige Mehrheit dafür fand sich nicht.