Einen Wolf bekam er jedoch bislang erst einmal angeliefert - es handelte sich dabei um ein auf der Autobahn bei Forst (Spree-Neiße) überfahrenes Tier. Nunmehr beschäftigt sich Hermann Ansorge zum zweiten Mal mit einem toten Vertreter der Spezies "Canis Lupus". Doch diesmal handelt es sich um ein Tier aus dem heimischen, dem Bad Muskauer Rudel. Ein Mitarbeiter des Truppenübungsplatzes fand ihn am 17. Oktober in der Nähe einer Schießbahn. "Auch wenn es nicht so sein sollte, hat man schon eine gewisse Beziehung dazu aufgebaut", bekennt Dr. Ansorge. Schließlich kennt er die Gewohnheiten der hiesigen Wölfe wie kein zweiter - aus unzähligen Analysen von Losungen, wie die unvermeidlichen Hinterlassenschaften genannt werden.
Bevor der junge Wolf - man schätzt sein Alter auf etwa fünf Monate - nach Görlitz kam, nahm das Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin schon einige Untersuchungen vor. "Deshalb werden wir auch hinsichtlich der Todesursache nicht mehr viel neues herausfinden", meint Hermann Ansorge. Die Computertomografie in Berlin ergab, dass der Wolf keine Knochenbrüche hatte. Auch Metallpartikel fanden sich nicht. "Noch nicht untersucht wurde, ob der Welpe an Krankheiten oder Parasitenbefall litt", erklärt der Görlitzer Biologe. Auch die genetische Untersuchung steht noch aus - die zweifelsfrei die "Reinrassigkeit" des Wolfes feststellen kann. "Aufgrund der eindeutigen äußeren Merkmale dürfte es hier aber keine Überraschungen geben", meint der Wissenschaftler.
Den bereits mehrfach zitierten "schlechten Ernährungszustand" will Ansorge nicht uneingeschränkt bestätigen: "Zwar weist der Wolf kaum Unterhautfettgewebe auf. Dies muss allerdings bei einem fünf Monate alten Welpen nicht viel bedeuten." Auch aus dem Mageninhalt - er bestand hauptsächlich aus Chitinpanzern von Schmeißfliegen - lassen sich keine diesbezüglichen Rückschlüsse ziehen.
In dieser Woche (6. bis 10. November) will Hermann Ansorge den derzeit noch tief gefrorenen Wolfskadaver auftauen. "Wir werden Gewebeproben entnehmen und daraus Trocken-, Alkohol- sowie Tiefkühlpräparate anfertigen", schildert er das Vorgehen. Diese stehen dann für künftige Forschungen mit möglicherweise noch verbesserten Methoden zur Verfügung.
Eine interessante Besonderheit weist der junge Wolf vom Truppenübungsplatz aber doch auf: Die mittleren Zehenballen sind an allen vier Pfoten zusammengewachsen. "Dies gilt normalerweise als typisches Artmerkmal des Schakals und wird in Fachkreisen sicher interessante Fragen aufwerfen", ist sich der Experte, Hermann Ansorge, sicher.

Zum Thema Der tote Wolf
  . . .wurde am 17. Oktober in der Nähe der Schießbahn 4 aufgefunden und war zu diesem Zeitpunkt bereits etwa eine Woche tot.
Während der vordere Teil des Kadavers gut erhalten war, zeigte der Hinterleib bereits Auflösungserscheinungen, wahrscheinlich durch Fraß.
Eine Ansammlung von Seeadlern und Kolkraben machten den Schießbahnarbeiter auf den Kadaver aufmerksam.
Unmittelbar nach dem Fund wurde der Wolf zum Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin gebracht und schon am 18. Oktober untersucht.
Das Geschlecht ließ sich nicht mehr feststellen.