"Selbst noch im Tod spaltet er die Serben", analysiert die angesehene Belgrader Zeitung "Politika" gestern die Lage nach dem Ableben des früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic. In der Tat ist Serbien über die Frage, wie der ehemalige starke Mann des Landes beerdigt werden soll, in zwei streng getrennte Lager gespalten. Die Milosevic-Sozialisten und die oppositionelle, extrem nationalistische Radikale Partei verlangen ein Ehrengrab und eine Bestattung mit allen staatlichen Ehrbezeugungen. Auf der anderen Seite stehen die meisten demokratischen Parteien, die den Staat heraushalten wollen und die Bestattung als reine Privatangelegenheit betrachten.
Und mehr noch. Die Sozialisten drohen, die Regierung zu Fall zu bringen, sollten ihre Forderungen nicht erfüllt werden. Denn von ihren Stimmen hängt die Minderheitsregierung des Nationalkonservativen Vojislav Kostunica ab. Der hat sich bisher in der Öffentlichkeit nicht äußern wollen. Doch hinter den Kulissen sollen die Telefondrähte glühen, um doch noch eine Absprache zu erreichen. Das Schwierigste dürfte die Aufhebung des internationalen Haftbefehls gegen die Milosevic-Ehefrau Mirjana Markovic sein, damit sie an der Beerdigung in Belgrad teilnehmen kann. Denn die Justizbehörden wollen sich nicht in die Nähe der Rechtsbeugung stellen.
Der Republikspräsident Boris Tadic, Gegner von Milosevic und auch der amtierenden Regierung, drückte im Schnelldurchgang ein Verbot für die Armee durch, sich in irgendeiner Form an der Trauerfeier zu beteiligen. Auch lehnte er es ab, die Milosevic-Ehegattin zu amnestieren, um ihr so den Weg nach Belgrad zu ebnen. "Ein kleiner Mensch für große Untaten", schimpfte der Radikalen-Sekretär Aleksandar Vucic gestern den Präsidenten. Vorsorglich hat auch Belgrads Bürgermeister Nenad Bogdanovic die Beisetzung in einem Ehrengrab abgelehnt. Bogdanovic ist ein Parteifreund von Tadic.
Doch die Milosevic-Anhänger wollen trotz allem eine Beerdigung in ihrem Sinne erzwingen. Die "Vereinigung Freiheit", die sich die Verteidigung von Milosevic auf die Fahnen geschrieben hat, drohte: "Wir werden weder den Präsidenten Tadic noch den Bürgermeister Bogdanovic fragen. Das Volk entscheidet, dass Milosevic in der Allee der Großen mit staatlichen Ehren beigesetzt wird", polterte ihr Vorsitzender. "Zwei Millionen Bürger werden zur Beerdigung kommen." Die soll am Donnerstag oder Freitag stattfinden.