Nicht schlecht staunten dieser Tage Revierförster Henry Bärwald und Mitarbeiter des Naturparks Schlaubetal, als sie bei einer Befahrung der Heide zwischen Henzendorf und Reicherskreuz auf einer Koppel zehn mit Planen bedeckte tote Schafe fanden. Über dieser Stelle kreisende Kolkraben hatten ihre Aufmerksamkeit erregt und sie veranlasst, nachzuschauen. „Als wir uns das Gelände ansahen“ , berichtete Matthias Schulze, Mitarbeiter der Naturparkverwaltung, „stellten wir fest, dass es völlig überweidet war und die Schafe bereits den Ginster angefressen hatten. Da diese Pflanze giftig ist, müssen die Tiere völlig ausgehungert gewesen sein.“ Eine weitere Möglichkeit bestand darin, dass sie einer Lungenkrankheit zum Opfer gefallen sein könnten. Da die Nachttemperaturen zu dieser Zeit bis unter minus 15 Grad Celsius fielen, sei auch ein Kältetod nicht auszuschließen.

Kritik am Forster Veterinäramt
Eine Nachfrage beim Veterinäramt des Landkreises Spree-Neiße, auf dessen Territorium die toten Schafe gefunden wurden, ergab, dass in den vergangenen sechs Wochen 20 Schafe als verendet gemeldet worden waren. Beim Tierkörperentsorgungsbetrieb war von 30 Schafen die Rede. „Daraus ergaben sich für uns viele Fragen“ , sagte Dr. Michael Weidlich, Leiter des Naturparks Schlaubetal, „Fragen, die an der Kompetenz des Schäfers zweifeln lassen, Fragen aber auch an das zuständige Veterinäramt in Forst. Denn bei so großen Tierverlusten in so kurzer Zeit ist es üblich, die Ursachen für das Verenden zu erforschen. Uns ist nicht bekannt, dass es eine einzige Untersuchung gab, obwohl eine Seuchengefahr nicht auszuschließen war.“
Unverständnis äußerte Weidlich auch über die offensichtlich monatelange Koppelung der Schafe, die der Pflegekonzeption des Naturparks, deren Umsetzung mit Mitteln der EU gefördert wird, widerspricht. Im Hinblick auf die Pflegefunktion, die die Tiere in der Heide haben, ist ausschließlich eine Hüteschäferei vorgesehen, eine Koppelung nur kurzzeitig in begründeten Ausnahmefällen zulässig. Als Europäisches Schutzgebiet unterliegt die Heide diesbezüglich eindeutigen Festlegungen, denn eine Überweidung bestimmter Bereiche führt zwangsläufig zur Zerstörung geschützter Biotope. Zur Klärung der Umstände erstattete die Verwaltung des Naturparks inzwischen Anzeige gegen den Schäfer.
Schäfer Bernd Weise vermutet hinter der Aktion eine Retourkutsche Weidlichs, gegen den er im Schlaubetalprozess aufgetreten ist. Gegenüber der RUNDSCHAU sagte Weise: „30 Schafe in zwei Monaten - das sind ganz natürliche Abgänge. Ich habe 1500 Tiere auf der Heide. Mein Fehler war, dass ich die Kadaver zu lange draußen habe liegen lassen. Mit fehlte es an logistischer Kapazität, sie in die Tierkörperbeseitigung zu bringen. Angemeldet hatte ich die toten Tiere dort. Und als ich sie fand, steckte ich sie in Plastesäcke, um Wild abzuhalten.“

Tote Schafe bewusst gesucht
Bernd Weise meint, die toten Schafe seien nicht zufällig gefunden, sondern bewusst gesucht worden. Und er sagt auch, dass ihm eine Herde Schafe vom Landschaftspflegeverband als „beste Herde Brandenburgs“ verkauft worden sei. Nachträglich habe sich herausgestellt, dass die Tiere an einer tödlich verlaufenden Lungenkrankheit leiden.
Das Veterinäramt des Spree-Neiße-Kreises führte am 3. März eine Vor-Ort- Untersuchung durch. „Dabei wurden keine Hinweise darauf gefunden, dass die Tiere verhungert sind“ , war gestern aus dem Kreishaus zu erfahren. Der Schäfer sei auf die Einhaltung der verschärften Vorschriften des Tierischen Nebenprodukt-Beseitigungsgesetzes hingewiesen und aufgefordert worden, die Kadaver zu beseitigen.