Trenchcoat, Pfeife und das Gesicht hinter einer Zeitung - so stellen sich wohl manche einen typischen Spion vor. Dass Geheimagenten in der vermeintlichen Pfeife tatsächlich eine Waffe verstecken können, legt nun ein neues Spionage-Museum in Berlin offen. Das "Spy Museum" öffnet am morgigen Samstag - und zeigt Besuchern die Facetten dieser Schattenwelt, zu der NSA-Whistleblower Edward Snowden ebenso gehört wie ein Funker aus dem Zweiten Weltkrieg.

"Spionage gibt es in allen Lebenswelten rund um den Globus", sagt Direktor Joachim E. Thomas. Eine Wertung treffe das Museum nicht - das sei dem Besucher überlassen. Häufig sei das aber gar nicht leicht: "Auf der einen Seite versucht jemand anderes, etwas von mir herauszufinden, was ich geheim halten möchte", sagt Thomas. "Jetzt kann es aber wiederum so sein, dass die Motivation, etwas geheim zu halten, verwerflich ist."

Zum Start sind mehr als 300 Exponate auf 3000 Quadratmetern Ausstellungsfläche am Leipziger Platz zu sehen. Insgesamt umfasst die Sammlung demnach rund 1000 Stücke, die nach und nach gezeigt werden sollen. Auch Sonderausstellungen sind geplant. Zu den Exponaten zählen tote Briefkästen ebenso wie ein Trabi mit eingebauter Infrarot-Kamera, eine Enigma-Codiermaschine oder ein Schuh mit Geheimfach im Absatz.

Besucher können etwa Wörter verschlüsseln und decodieren, Passwörter auf Sicherheit prüfen oder müssen einen Laserparcours überwinden. "Edutainment spielt eine Rolle", kündigt der Direktor an.

Andere Häuser haben sich dem Thema dem Deutschen Museumsbund zufolge bereits in Sonderausstellungen gewidmet. "Spionage ist kein Selbstzweck, sondern bettet sich ein in gewisse historische Entwicklungen", sagt Museumsbund-Geschäftsführerin Anja Schaluschke. Daher sei es wichtig, das Ausspähen in den geschichtlichen Kontext einzuordnen. Ein Spionagemuseum im nordrhein-westfälischen Oberhausen musste jüngst wegen Insolvenz dichtmachen.

Im privatwirtschaftlich finanzierten "Spy Museum", das hierzulande nach eigenen Angaben das einzige seiner Art ist, wird etwa Spionage in Zeiten des Kalten Krieges thematisiert. Das Vorgehen in Ost und West wird dabei jeweils auf einer Seite des Ausstellungsbereichs gezeigt - und so gewissermaßen gegenübergestellt. Die Methoden der DDR-Geheimdienstpolizei werden seit Langem auch im Museum in der "Runden Ecke" in Leipzig beleuchtet, ebenso wie im Stasi-Museum Berlin.

Dass das Thema Spionage auch heute noch hochaktuell ist, verdeutlicht der letzte Teil der Ausstellung - die Jetzt-Zeit. Dabei wird nicht nur gezeigt, welche Daten Facebook über seine Nutzer sammelt. Die Arbeit von Hackern wird ebenso thematisiert wie der NSA-Whistleblower Edward Snowden - und das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Dass Drohnen kein neues Phänomen sind, zeigt das Museum auch: "Die erste Drohne war eine Taube", erzählt der Direktor. Im Ersten Weltkrieg sei das Tier mit einer Kamera und einem kleinen Fallschirm aufgestattet worden, um Aufnahmen beim Feind zu machen.