Nach Angaben der irakischen Behörden und der US-Armee wurden allein bei Autobombenanschlägen in Bagdad und seiner Umgebung sowie in Samara 125 Kilometer weiter nördlich neun Menschen getötet, darunter auch ein ranghoher Beamter des irakischen Innenministeriums. Zu den Anschlägen und Angriffen bekannte sich die Gruppe des jordanischen Extremistenführers Abu Mussan el Sarkawi, "Tauhid wal Dschihad". Der Versuch eines Selbstmordattentäters, mit seinem mit Sprengstoff beladenen Wagen das Gefängnistor von Abu Gharib zu durchbrechen, schlug nach Angaben eines US-Sprechers nur fehl, weil das Fahrzeug nicht explodierte. Nur knapp verhinderten irakische Wachen einen weiteren Anschlag auf die Grüne Zone, den stark gesicherten Verwaltungsbezirk Bagdads mit dem Sitz von Regierung und US-Botschaft.

Polnische Soldaten getötet
In der Haifa-Straße, einer Hochburg der Anhänger von Ex-Machthaber Saddam Hussein im Zentrum Bagdads, lieferten sich US-Truppen und irakische Anwohner stundenlang heftige Gefechte, bei denen nach Angaben des Gesundheitsministeriums mindestens 13 Menschen starben, darunter auch zwei Kinder und ein für zwei arabische Fernsehsender arbeitender palästinensischer Journalist. Heftige Gefechte wurden auch aus der sunnitischen Widerstandshochburg Ramadi gemeldet. Dabei wurden nach Krankenhausangaben mindestens zehn Menschen getötet und 40 weitere verletzt. Mitglieder der irakischen Nationalgarde riegelten am Nachmittag Ramadi völlig ab und übernahmen die Kontrolle. Bei einem Angriff in der Nähe der irakischen Stadt Hilla wurden drei polnische Soldaten getötet. Drei weitere seien verletzt worden, sagte der Sprecher des polnischen Generalstabs, Oberst Zbigniew Gnatowski. Die Männer seien am Nachmittag bei einer Patrouille in der etwa 100 Kilometer südlich von Bagdad gelegenen Stadt mit Raketen und Maschinenpistolen attackiert worden.

Sorge um italienische Geiseln
Die italienische Regierung setzte ihre Bemühungen um die Freilassung der beiden entführten italienischen Helferinnen Simona Pari und Simona Torretta fort, die am vergangenen Dienstag aus ihrem Büro im Zentrum von Bagdad verschleppt worden waren. In einer Internet-Botschaft übernahm gestern eine weitere Gruppe namens Islamischer Dschihad die Verantwortung für die Entführungen. In einem 24-stündigen Ultimatum forderte sie von Rom den vollständigen Abzug der italienischen Truppen aus dem Irak. Ein Ultimatum der Gruppe "Ansar el Sawahiri" war am Wochenende abgelaufen. Keine der Botschaften enthielt Beweise, dass die beiden jungen Frauen noch am Leben sind.
Am Samstagabend war im Internet ein Tonband aufgetaucht, das Abu Mussab el Sarkawi zugeschrieben wird. Darin hetzt dieser gegen irakische Kurden und Schiiten und ruft Muslime in aller Welt auf, sich dem Kampf im Irak anzuschließen. Erneut bedrohte er auf dem Tonband den irakischen Ministerpräsidenten Ijad Allawi mit dem Tod. (AFP/dpa/B.M.)