Im Ergebnis war es zwar immer noch die größte Revolte einer Regierungsfraktion in der britischen Parlamentsgeschichte, aber doch ein eindeutiges Votum für einen Irak-Krieg. Alle, die eine zweite UN-Resolution als "überlebenswichtig" für Blair bezeichnet hatten, wurden eines Besseren belehrt.
Gestern wurde Blair erstmals seit Monaten wieder gefeiert: Er könne "stärker denn je aus dieser Krise hervorgehen", prophezeite die "Times". "Brillant", lobte der "Daily Telegraph". Selbst der gegen den Krieg eingestellte "Independent" räumte ein, Blair sei "der richtige Regierungschef in diesen höchst unsicheren Zeiten".
Um diese Wende zu schaffen, hatte Blair alle Register gezogen. In einem Plädoyer mit Anklängen an die Kriegsreden von Winston Churchill beschwor er seine "Ehrenwerten Freunde", die Abgeordneten: "Dies ist nicht die Zeit zu zaudern." Für den Fall, dass dies doch geschehen sollte, drohte er: "Ich werde einen solchen Kurs nicht mittragen." Die Einpeitscher übersetzten: "Tony würde zurücktreten."
Für seinen Erfolg hat Blair allerdings auch eine heftige Verstimmung mit Paris in Kauf genommen, als er Frankreich die Schuld für das Scheitern der Bemühungen um eine friedliche Lösung der Krise zugewiesen hatte. Die französischen Behörden seien über die Kritik "schockiert und tief betrübt", erklärte der Pariser Vize-Außenamtssprecher Bernard Valero sichtlich verstimmt. Die Äußerungen seien "eines befreundeten Landes nicht würdig".