Der Aufstieg über die 163 Stufen wird belohnt. Auf der Plattform der Landmarke des Lausitzer Seenlandes genießen Doris und Uwe Köppelmann aus Lichtenau mit Enkeltochter Melissa (12) die Aussicht auf die neue Seenplatte in der Bergbaufolgelandschaft. 30 Meter hoch ragt der Aussichtssturm, der in der jungen Reiseregion liebevoll "Rostiger Nagel" genannt wird, in den Himmel. Auf dem Dach des aus rostfarbenem Cortenstahl erbauten Dreieck-Turmes sind drei Seen gleichzeitig und am Horizont die Kraftwerke Schwarze Pumpe, Boxberg und Jänschwalde zu sehen. Und auch der Blick auf den Sornoer Kanal, der den Sedlitzer mit dem Partwitzer See verbindet, ist frei. Noch ist er nicht schiffbar. Der Anleger für Boote und ein Fahrgastschiff ist aber schon fertiggestellt.

Hier kreuzen neben dem Wasserweg auch gut asphaltierte touristische Radwege, die von Einheimischen und Urlaubern ausnehmend gern genutzt werden. Auch Familie Köppelmann ist in der Pension "Radlerslust" in Großkoschen am Senftenberger See abgestiegen, um sich aufs Rad zu schwingen. "Wir sind vor zwei Jahren im Sommer erstmals hier gewesen", erzählt Doris Köppelmann. Die Senftenberger See-Runde und die Landmarke am Sedlitzer See gehören in diesem Jahr wieder zum Programm, erzählt das Paar in luftiger Höhe mit Aussicht auf das Lausitzer Bergland. Auf dem flachen Land bequem in die Pedale zu treten, die Natur und den Blick aus Wasser zu genießen, sei Erholung pur.

Enkeltochter Melissa beobachtet indes die Vögel der Schwalbenkolonie, die den Aussichtsturm als Brutplatz erobert hat. Volker Mielchen, der Verbandsvorsteher des Zweckverbandes Lausitzer Seenland Brandenburg (LSB), sagt: Diese Inbesitznahme sei bei den Planungen freilich nicht kalkulierbar gewesen. Der Eigentümer des Rostigen Nagels will unter den Treppen nachrüsten, um den Anflug der Tiere vor der nächsten Brutsaison möglichst vom Turm wegzulenken.

Der Sedlitzer See wird mit etwa 13 Quadratkilometern Wasserfläche der größte See des schiffbaren Gewässerverbundes des Lausitzer Seenlandes. Und seine Landmarke ist inzwischen zu dem Aussichtsturm der neuen Wasserwelt geworden - auch, weil der Seenland-Zweckverband an ihrem Fuße weiter in die touristische Basis-Infrastruktur investiert hat. Vor allem Radler und Skater stoppen dort, um sich am gigantischen Stahl-Riesen eine Pause zu gönnen. Ein kleiner Imbiss in privater Hand und auch eine Sanitäranlage sind vorhanden.

Und nur wenige Hundert Meter entfernt ist der schwimmende Steg zu entdecken, der noch ein Geheimtipp ist. Die Vision, die die Internationale Bauausstellung (IBA) "Fürst Pückler Land" hervorgebracht hat, ist: Die schmalste Stelle des Sees, genau 1070 Meter lang, soll mit einem Schwimmsteg überbrückt werden. An diesem können Plätze zum Verweilen, Bootsliegeplätze, Mini-Restaurants und Freizeitangebote angedockt werden. "Mit den ersten 160 Metern Steg haben wir schon mal vorgelegt", sagt Verbandsvorsteher Volker Mielchen. In der Hoffnung, dass sich für die Vollendung der Idee irgendwann Investoren finden.

Das Gefühl, plötzlich mitten auf dem Wasser stehen zu können, ist schon erlebbar. Und die Gäste erfahren auf den ersten Metern des Schwimmsteges auch hautnah, wie die riesigen Lausitzer Bergbau-Krater geflutet werden. Denn der Steg muss mit dem aufsteigenden Wasser zur Uferlinie mitwandern. Bis zum Jahr 2019 stellt die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) für den Sedlitzer See den Endwasserstand in Aussicht. Bis dahin frisst sich das Gewässer noch etwa 90 Meter weiter ins Land.

Vergleichbar wäre der fertige schwimmende Steg übrigens nur mit der schwimmenden Brücke des Drei-Schluchten-Dammes des Jangtsekiang in China.

Vom "Rostigen Nagel" aus ist der noch kurze Schwimmsteg durch die inzwischen üppig gewachsene Vegetation nur schwer auszumachen. Der kleine Wanderpfad, der zum Seeufer führt, aber ist schnell gefunden.

Die besondere Architektur der Landmarke des Lausitzer Seenlandes zieht internationale Aufmerksamkeit auf sich. Mit einem Sonderpreis für Architektur des Deutschen Stahlbauverbandes ist der Rostige Nagel ausgezeichnet worden: als "architektonische Meisterleistungen im Hoch- und Brückenbau". Auch einen Sonderpreis des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung haben die Münchner Architekten Stefan Giers und Susanne Gabriel erhalten. Beeindruckt hatte die Jury besonders die Symbolik des Stahlkolosses als eine "Metapher für unsere gemeinsame Geschichte, Gegenwart und Zukunft, eine kraftvolle Skulptur als Erinnerungsspur in einer geschändeten Landschaft, die sich zu einer idyllischen Seenlandschaft wandelt".

Aber auch den "Betonkopf" des Behindertenverbandes hat die Landmarke erhalten. Denn Menschen mit körperlichen Einschränkungen in der Mobilität können den Turm nicht erklimmen.

Der Rostige Nagel mit seiner doppelwandigen Metall-Außenhaut hat aber auch Vorzüge, die jedermann genießen kann.

Als Resonanzkörper ist er für Künstler aus Paris schon so spannend gewesen, dass sie ihn als Klangkörper genutzt haben.

Und im künstlichen Feuerschein erstrahlt die Landmarke zur Freude der Gäste auch immer wieder in einem ganz besonderen Licht.

Am besten aber ist die Aussicht, bestätigt Familie Köppelmann.

Zum Thema:
Öffnungszeiten: Die Landmarke Rostiger Nagel ist vom Frühjahr bis zum späten Herbst jederzeit zu besteigen.Eintritt: frei. Eine Spendenbox für den Erhalt des Aussichtsturmes ist auf den letzten Metern zur Aussichtsplattform zu finden. Höhepunkte des Jahres: temporäre Veranstaltungen ( www.lausitzerseenland.de )Das ist in der Region außerdem zu erleben: Die See-Rundwege des Lausitzer Seenlandes sind für Radler und Skater bereit. Badestrände laden zum Wasserspaß ein. Auf dem Senftenberger See sticht das Fahrgastschiff "Santa Barbara" in See. Die Schiffslinie zwischen dem Stadthafen Senftenberg und dem Geierswalder See soll im Sommer mit einem neuen Solarkatamaran aufgenommen werden. Der Tierpark Senftenberg zu Füßen der Festung ist für Familien mit Kleinkindern besonders attraktiv. Im Wassersportzentrum Großkoschen, am Stadthafen Senftenberg und am Seestrand Niemtsch stehen Wassergefährte bereit, die teilweise auch führerscheinlos genutzt werden können. Alle Orte unserer Serie "Freizeitspaß" finden Sie online auch unter www.lr-online.de/freizeitspassRad- und Wandertourentipps finden Sie im Tourenportal der Lausitzer Rundschauund in der kostenlosen App unter www.urlaubsreich-aktiv.de