Ein Kunde findet sie blutüberströmt mit mehreren Stichverletzungen im Oberkörper in ihrem Laden. Der sofort herbeigerufene Notarzt kann ihr nicht mehr helfen. Der Panzerschrank im Geschäft steht offen.
Ob Anke L. Opfer eines Raubüberfalls oder einer Beziehungstat wurde, war für die Cottbuser Staatsanwaltschaft gestern Abend noch unklar. „Wir haben keinen Tatverdächtigen und keine Kenntnis über das Motiv“ , sagte Hans-Josef Pfingsten, Sprecher der Ermittlungsbehörde. „Es deutet aber einiges darauf hin, dass sich der Täter in dem Geschäft ganz gut auskannte“ , so Pfingsten. Eine sofort eingeleitete Ringfahndung der Polizei blieb erfolglos.

Tote hinterlässt Familie
Ob die Messerstiche, mit denen Anke L. niedergestreckt wurde, sofort tödlich waren oder ob die Ladeninhaberin verblutete, muss die Obduktion klären. Die Getötete hinterlässt Ehemann und Tochter. Vor fünf Jahren hatte die gelernte Postlerin sich mit der „partnerbetriebenen Postfiliale“ selbstständig gemacht.
Hunderte solcher kleinen Geschäfte, in denen Briefmarken und Postbankgeschäfte nur einen Teil des Sortimentes ausmachen, gibt es in der Region. Anke L. verkaufte neben dem Postgeschäft Geschenkartikel, Zeitungen, Schreibwaren und Tee. Rechtlich gelten die Filialen als selbstständige Firmen.
„Wir suchen uns dafür Partner aus dem Einzelhandel, die den Postbereich als Ergänzung ihres Sortimentes hinzunehmen“ , sagt der Brandenburger Post-Sprecher Rolf Schulz. Postbankbetrieb gebe es nicht in allen Filialen. Für die Sicherheit seien die Inhaber verantwortlich, es gebe jedoch Beratung und auch Auflagen.
In der Statistik der Polizei spielen die kleinen gemischten Läden, die in dünn besiedelten Gebieten oft auch die Funktion des einzigen Treffpunktes im Ort haben, als Ziel von Überfällen bisher kaum eine Rolle. Ganze drei Fälle in Zusammenhang mit Postagenturen verzeichnete das Brandenburger Landeskriminalamt im vorigen Jahr. In Sachsen ist die Zahl solcher Delikte nach Auskunft des dortigen Landeskriminalamtes ebenfalls „eher gering“ .

Banken rüsteten auf
Nach einer ganzen Reihe von Überfällen auf Banken und Sparkassen in der Lausitz und im Elbe-Elster-Land Mitte der 90er-Jahre hatten die Geldinstitute in puncto Sicherheit aufgerüstet. Das schreckte vermutlich ab, denn die Zahl der Überfälle ging danach deutlich zurück. 1998 waren es noch 17 Taten, 1999 nur noch acht. Im Jahr 2001 wurde nur eine Bank in Peitz (Spree-Neiße) überfallen. Jahre vorher war allein die Bankfiliale in Schönewalde (Elbe-Elster) siebenmal binnen weniger Monate Ziel von Bankräubern.
Einen der letzten Banküberfälle in der Region, bei dem Geld erbeutet wurde, gab es im Juli 2002 in Goyatz im Spreewald. Ein trotz sommerlicher Temperaturen mit Schal und Mütze vermummter Mann erbeutete in der dortigen Sparkasse eine größere Summe. Einen Monat später scheiterten dagegen zwei Männer in Straßgräbchen bei Hoyerswerda. Sie bedrohten die Mitarbeiterinnen der dortigen Volksbankfiliale mit Pistolen. Die Angestellten lösten jedoch sofort Alarm aus und flüchteten durch das Fenster eines Nebenzimmers. Die Räuber flohen.

Überfall gescheitert
Ähnlich endete ein Überfall auf die Volksbankfiliale im ostsächsischen Königswartha vor einer Woche. Auch dort drohte ein Maskierter mit einer Pistole, doch die beiden Bankangestellten konnten sich schnell genug in einen speziellen Sicherheitsbereich der Geschäftsstelle zurückziehen. Der Räuber floh auch hier ohne Beute.