Der Versuch, sich in der Pension zu verstecken, scheiterte. Am 19. Februar wurde die junge Mutter, 26, verhaftet. Ihr Sohn, 3, blieb beim Vater, ebenfalls vorbestraft, zurück.

„Wir haben nach der Festnahme der Mutter sofort geguckt, ob es dem Kind bei seinem Vater gut geht“, sagt das Jugendamt. Es habe keinerlei Anlass gegeben, den Kleinen von seinem Vater zu trennen. „Der Mann wirkte ausgesprochen stabil, hat gut mit uns zusammengearbeitet und sah zuversichtlich in die Zukunft“, so Fachbereichsleiterin Kerstin Schulz.

Doch irgendetwas muss diese Zuversicht zunichte gemacht haben: Während sein Sohn im Gitterbettchen in der Forster Bahnhofstraße schlief, muss sich der Vater eine tödliche Dosis Drogen besorgt haben. Dann setzte er sich – eventuell aus Versehen – den „Goldenen Schuss“. Noch in der Nacht wurde sein lebloser Körper gefunden. Der Notarzt konnte nur noch seinen Tod feststellen. Er entdeckte frische Einspritzstellen am Körper, Spritzen und andere Utensilien, die auf Drogenkonsum hinweisen. Letzte Bestätigung der Todesursache soll eine Obduktion geben.

Im Methadon-Programm

Die Polizei informierte das Jugendamt, die das Kind sofort in eine Pflegefamilie brachte. Berndt Fleischer, Polizeisprecher des Schutzbereiches Cottbus/Spree-Neiße: „Der Junge hat vom Tod seines Vaters zum Glück nichts mitbekommen, er hat die ganze Zeit geschlafen.“ Die Tatsache, dass sich ein Kleinkind bei seinen drogenabhängigen Eltern aufhalten könne, sei an sich nicht unüblich. Fleischer: „Allein von der Abhängigkeit geht nicht gleich eine Kindeswohlgefährdung aus.“ So betrachtet auch das Forster Jugendamt den Fall. Leiterin Kerstin Schulz: „Wir hatten schon während der Schwangerschaft der Mutter Kontakt zur Familie. Beide Eltern haben am Methadon-Programm teilgenommen, sind regelmäßig zu einem Berliner Arzt gefahren.“ Nie habe es in den vergangenen Jahren irgendwelche Probleme gegeben. Kerstin Schulz: „Der Junge hat sich prima entwickelt und beide Eltern haben sich unglaublich Mühe gegeben.“ Mysteriös: Noch wenige Stunden vor seinem Tod hatte der Vater im Jugendamt angerufen und einen Termin abgesagt: Er könne erst am nächsten Morgen vorbeikommen, um acht Uhr wolle er pünktlich auf dem Amt erscheinen. Da aber war der Forster bereits tot.

Besser schlechte als keine

Drogenabhängige Eltern sind im Landkreis Spree-Neiße kein Einzelfall. Jugendamt-Fachbereichsleiterin Schulz: „Wir haben viele suchtabhängige Eltern, bemühen uns immer, sie in Therapien unterzubringen oder in Methadon-Programmen.“

Das ist nach gängiger Expertenmeinung Grundvoraussetzung für einen Verbleib von Kindern bei ihren abhängigen Eltern. Sind Süchtige auf das Beschaffen von Straßenheroin angewiesen, sind ihre Kinder großen Gefahren ausgesetzt. Leben Vater und Mutter in den geregelten Strukturen eines Methadon-Programmes und unter ärztlicher Aufsicht, so gilt der Grundsatz: besser schlechte Eltern als gar keine Eltern.

Stephan Breiding, Sprecher des brandenburgischen Jugendministeriums: „Für ein Kind ist es niemals nachvollziehbar, wenn es aus seiner Familie herausgenommen werden muss. Jede Trennung von den leiblichen Eltern bedeutet dauerhaft Probleme für ein Kind.“

Und könnte dennoch manchmal Leben retten: Im Fall des kleinen Kevin aus Bremen hatte die Sozialbehörde ebenfalls eingeschätzt, dass der Zweijährige bei seinem süchtigen, in Methadon-Behandlung befindlichen Vater in guten Händen sei. Ein tödlicher Fehler – für Kevin.

Der Drogentote von Forst ist bereits das dritte Suchtopfer des Jahres in der Region. Ein Mann war in Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz) an den Folgen einer Überdosis gestorben, ein weiterer vor wenigen Wochen in Forst. Auch er hatte am Methadon-Programm teilgenommen und galt als „clean“.