Über das Ausmaß der schrecklichen familiären Katastrophe am Heiligabend informierten Polizei und Staatsanwaltschaft erst am gestrigen Donnerstag. Im Wohnviertel Südkomplex hatte der Rentner die Frau am Montag in der gemeinsamen Wohnung in der Bayernstraße im Schlaf erschlagen. Anschließend nahm er sich im einige Hundert Meter entfernten Garten in derselben Straße das Leben, er erhängte sich. Als Todeszeitpunkt geben die Ermittler die Nacht zum beziehungsweise den frühen Morgen des Heiligabend an. Ein Motiv für diese Straftat sei "noch unklar", sagte Oberstaatsanwalt Horst Nothbaum der RUNDSCHAU. Ein Abschiedsbrief sei nicht hinterlassen worden. Eine Beteiligung Dritter an dem tödlichen Geschehen werde bislang ausgeschlossen. Letzte Sicherheit soll eine Obduktion bringen.

Einen sogenannten erweiterten Suizid schließt Pressesprecher Nothbaum aus. "Davon spricht man, wenn die Getöteten den Wunsch hatten, aus dem Leben zu scheiden. Das kann man bei dem Fall und der brutalen Art und Weise, wie der Mann gegen die Frau vorgegangen ist, ausschließen." Zum Tötungswerkzeug, das der Mann benutzt hatte, wollte sich Nothbaum aus ermittlungstaktischen Gründen noch nicht äußern.

Das Paar hatte seit Jahren offensichtlich völlig unauffällig in der Wohnung am Rande der Finsterwalder Plattenbausiedlung Südkomplex gelebt. "Ich habe nie einen Laut oder gar Streit in der Wohnung gehört", sagt ein Nachbar gestern. Für die Mieter im Haus ist völlig rätselhaft, wie es zu diesem Verbrechen kommen konnte. Vom Mann, der noch am Tag zuvor gesehen worden war und sich am Wochenende wie meist um die Treppenreinigung im Hausaufgang kümmerte, weiß man lediglich, dass er vor Jahren einen Sohn auf tragische Weise verloren haben soll.