Die 36-jährige Frau konnte sich trotz schwerster Verletzungen noch bis zu ihren Nachbarn schleppen. Die alarmierten am Mittwochabend gegen halb elf die Polizei. Eine halbe Stunde später traf auch die örtliche Feuerwehr an dem Grundstück an der Hauptstraße in Neu Lübbenau bei Schlepzig (Dahme-Spreewald) ein, weil es dort brannte.

Doch das Feuer war nicht das Schlimmste, was Polizei und Feuerwehr vorfanden. Im Haus lag ein Toter. Es war der 36-jährige Lebensgefährte der schwerverletzten Grundstückseigentümerin.

Ihr Ex-Freund wurde noch in der Nacht am Tatort festgenommen und am Nachmittag dem Haftrichter vorgeführt. Dort gestand er, den Mann, der im Bett lag, mit mehreren Messerstichen getötet und seine Ex-Freundin in Tötungsabsicht durch Stiche schwer verletzt zu haben. Als Motiv nannte er die nicht verwundene Trennung von der Frau. Bei der Tat war er angetrunken. Das Amtsgericht Cottbus erließ einen Haftbefehl gegen ihn. Die schwer verletzte Frau war gestern noch nicht vernehmungsfähig.

"Sie schwebt noch in Lebensgefahr", sagte Oberstaatsanwältin Petra Hertwig. Am Freitag sollen ihre Verletzungen gerichtsmedizinisch begutachtet werden. Auch die Obduktion des Toten soll dann stattfinden.

Die Bluttat in Neu Lübbenau war offenbar das dramatische Ende eines Beziehungsstreites. In Neu Lübbenau, einem 400-Seelen-Dorf, ist nur wenig über die Beteiligten bekannt. Ein Dorfbewohner erzählt, dass der Vater der Schwerverletzten das Gebäude Anfang der 90er-Jahre gekauft habe. Der Berliner, der in der Hauptstadt eine Firma für Entrümpelung und Wohnungsauflösungen betrieb, baute den ehemaligen Stall zum Wohnhaus aus, hielt Pferde, veranstaltete Kutschfahrten.

Als der Vater vor etwa drei Jahren starb, erzählt der Mann aus der Nachbarschaft, zog seine Tochter mit ihrem damaligen Freund in das Haus: "Die haben Pferde nur noch als Hobby gehalten, hatten auch Hunde, so eine Art Gnadenhof."

Vor einigen Monaten soll dann der jetzt getötete neue Freund, der aus Bayern stammt, ins Spiel gekommen sein. Damit begannen offenbar die Auseinandersetzungen. Der bisherige Lebensgefährte zog aus. Mehrere Dorfbewohner hatten vor einiger Zeit Polizei- und Krankenwagen auf dem Grundstück gesehen.

Helmut H. war am Donnerstag morgen, als er zu dem Grundstück kam, zunächst von der Polizei weggeschickt worden. Am Nachmittag durfte er dann auf den Hof, um die Tiere dort zu versorgen. Er war bei der Grundstücksbesitzerin angestellt gewesen.

Zum Thema:
Anfang der 90er-Jahre tötete ein Cottbuser seine Frau und deren beide Töchter auf besonders bestialische Art. Bei einem fingierten Unfall sorgte er dafür, dass Mutter und Töchter im Auto verbrannten. Sein Motiv - die Frau hatte ihn verlassen wollen.Im Mai 2010 erdrosselte ein Mann in Hoyerswerda seine Ex-Freundin, die sich von ihm getrennt hatte. Danach erhängte er sich.Im September 2010 erstach ein Mann in Großräschen (Oberspreewald-Lausitz) seine 20 Jahre jüngere Ehefrau und zündet das Haus an.Im Mai 2012 tötete ein 22-Jähriger in Schleife einen zwei Jahre älteren Bekannten mit einem Messerstich ins Herz. Die Freundin des Täters hatte ihn verlassen und sich dem später Getöteten zugewandt. Im November 2013 wurde in Eichwalde (Dahme-Spreewald) ein 14-jähriges Mädchen mit einer Vielzahl von Messerstichen getötet. Das Landgericht Cottbus verhandelt gerade gegen ihren mutmaßlichen Mörder, der zur Tatzeit 20 Jahre alt war. Er soll sie getötet haben, weil sie eine Liebesbeziehung mit ihm abgelehnt hatte.Im September 2013 hatte ein 26-Jähriger bei einem Familienstreit in Werben (Spree-Neiße) seine Eltern, seinen Bruder und sich selbst durch Messerstiche lebensgefährlich verletzt. Später versuchte er, sich das Leben zu nehmen.