Tödliche Schüsse, eine Verfolgungsjagd über den Highway, viele offene Fragen: Ein Attentäter hat am Mittwoch den Parteichef der US-Demokraten im Bundesstaat Arkansas erschossen, kurz darauf starb er selbst durch Kugeln der Polizei. Es ist eine Tat, die in der heißen Phase des Präsidentschaftswahlkampfs für einen Moment des erschrockenen Innehaltens sorgt. "Diese sinnlose Tragödie ist ein Schock für uns alle", erklärte der Washingtoner Parteichef Howard Dean. In zwei Wochen hätte der Landespolitiker Bill Gwatney als Superdelegierter auf dem großen Parteitag der Demokraten über die Kür Barack Obamas zum Spitzenkandidaten mit abstimmen sollen.
Die Motive der Tat liegen noch im Dunkeln, ihr Hergang lässt sich inzwischen rekonstruieren. Der Täter, ein Mann um die 50, sprach laut Zeugenaussagen in US-Medien in der Parteizentrale der Demokraten im Zentrum von Arkansas' Hauptstadt Little Rock vor. Angeblich soll er sich als freiwilliger Helfer angeboten haben. Er verschaffte sich Zugang zu Gwatneys Büro, feuerte auf ihn und traf ihn mehrfach in den Oberkörper. Der 48-Jährige starb später im Krankenhaus. Wie die Zeitung "Arkansas Times" berichtete, rannte Gwatneys Sekretärin in einen nahegelegenen Blumenladen, um von dort die Polizei zu alarmieren. Laut Zeugen sagte sie: "Hilfe, unser Vorsitzender wurde erschossen."
Danach tauchte der Täter im Quartier einer nahe gelegenen Baptistengemeinde auf und richtete seine Waffe auf einen Angestellten. "Er war weiß wie ein Blatt Papier", berichtet Gemeindemitarbeiter Dan Jordan später im Lokalfernsehen. "Ich habe gehört, wie er etwas davon gesagt hat, dass er seinen Job verloren hat." Der Täter geht, ohne zu schießen und fährt in seinem blauen Pickup-Truck aus der Stadt, verfolgt von der Polizei. Nach einer rasenden Jagd über mehr als 30 Kilometer bringen die Beamten ihn zum Stehen. Nach Polizeiberichten feuerte er auf die Polizisten, diese erwiderten die Schüsse und treffen ihn tödlich.
Zu den ersten, die ihre Be stürzung über Gwatneys Tod per öffentlicher Erklärung in Worte fassten, zählte das Ehepaar Hillary und Bill Clinton. Gwatney sei ein "geschätzter Freund und ein Vertrauter" gewesen, dessen Tod sie "fassungslos" mache. Die Clintons sind so etwas wie der inoffizielle Polit-Hochadel in Arkansas: Von den späten 70er- bis zu den frühen 90er-Jahren regierte Bill den Provinzstaat als Gouverneur, Little Rock war die Residenz der Clintons. Hillary trug hier vor wenigen Monaten in den Vorwahlen einen großen Sieg gegen Barack Obama davon, die Clintons sind hier nach wie vor verwurzelt. Obama zeigte sich an seinem Urlaubsort in Hawaii "erschüttert" über die Tat.
Hinweise auf ein politisches Motiv für die Tat gab es zunächst nicht. "Derzeit haben wir darauf keine Antwort", sagte ein Polizeisprecher. Ob persönliche Rache eine Rolle spielte, sei ebenfalls unklar. Der Täter sei ersten Erkenntnissen zufolge kein früherer Angestellter von Gwatney gewesen, der Besitzer mehrerer Autohäuser in Arkansas war. Möglicherweise war es einfach ein verzweifelter Einzeltäter, der ziemlich genau 40 Jahre nach den tödlichen Attentaten auf Martin Luther King und Robert Kennedy erneut demonstrierte, wie verletzlich Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens immer noch sind.