"Mit meiner Mannschaft können wir hier bis zu eine Tonne pro Tag rausholen", sagt der 45-jährige Bergmann. Anfang der 90er-Jahre wurde Janiszek entlassen. Jetzt gräbt er seine eigenen Stollen, nur drei Meter unter der Erde nahe Walbrzych (Waldenburg) in Südwestpolen. Das ist strafbar. Trotzdem arbeiten rund 200 bis 300 Menschen wie Janiszek in der Region um das Zentrum des niederschlesischen Steinkohlereviers in Biedaszyby, illegalen Armenminen.
Vor allem arme Leute kaufen Steinkohle aus diesen geheimen Minen. Janiszek nimmt für eine Tonne 300 Zloty, umgerechnet rund 80 Euro. Im normalen Handel kostet sie mindestens 420 Zloty. Dem Bergmann selber bringt sein Stollen monatlich zwischen 500 und 1000 Zloty ein.
"Diese Minen stellen ein soziales Problem dar, auch wenn ihre Verbreitung seit 2000 abgenommen hat. Damals förderten 3000 Menschen illegal Steinkohle", sagt der Sprecher der Gemeindewache von Walbrzych, Edward Swiatkowski. Nach Schließung der letzten Steinkohlemine in Niederschlesien 1998 standen rund 15 000 Bergleute auf der Straße. Noch heute liegt die Arbeitslosenquote bei rund 30 Prozent, trotz Wiedereingliederungsprogrammen.
"Die Menschen erinnerten sich daran, dass man nach dem Krieg in illegalen Minen Steinkohle abbaute", erzählt Janiszek. "So fingen sie wieder damit an, zuerst für sich selbst und dann, um sie zu verkaufen." In Niederschlesien reichen die Steinkohleflöze bis direkt unter die Erdoberfläche.
In Roman Janiszeks Stollen ist der Boden glitschig und voller Schlamm. Um an die Steinkohleschicht heranzukommen, muss Janiszek rund 20 Meter in den Stollen hinein, teils kriechend auf den Knien. Immer wieder streift er einen der Holzbalken, die den Tunnel abstützen. Die Sicherheit ist ein großes Problem. In den Minen sind schon sechs Bergleute ums Leben gekommen.
Roman Janiszek und sein 48-jähriger obdachloser Kollege Wieslaw Kostarkiewicz arbeiten manchmal mehrere Stunden ohne Pause auf den Knien. Wenn sie die Kohle von den Wänden gehauen haben, wird sie in Eimern bis zum Ausgang gezogen. Nach dem Sieben durch einen Plastikkasten wird die Steinkohle in Säcke zu je 50 Kilogramm abgefüllt. Kostarkiewicz arbeitet seit vier Jahren in den Armenminen. Nach polnischem Recht gehört alles, was sich tiefer als 50 Zentimeter unter der Erdoberfläche befindet, dem Staat. Die Bergleute riskieren Strafen von bis zu 500 Zloty und die Konfiszierung ihrer Arbeitsgeräte. Wiederholungstätern droht Gefängnis.
"Wir sind verpflichtet, die Bergleute zu verfolgen, auch wenn unser moralisches Urteil manchmal von den Buchstaben des Gesetzes abweicht", sagt der Sprecher der örtlichen Gemeindewache. "Die Situation von manchen Leuten ist wirklich dramatisch. Die Minen helfen ihnen, über die Runden zu kommen", erklärt Swiatkowski.