In dem einzigen Terrorprozess in den USA im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September 2001 entschied am Montag eine Geschworenen-Jury im Bundesgericht von Alexandria (Virginia), dass der 37-Jährige grundsätzlich hingerichtet werden darf.
Die Namen der neun Männer und drei Frauen in der Jury werden aus Sicherheitsgründen streng geheim gehalten. Gerichtszeichner dürfen ihre Gesichter nicht skizzieren. Aufnahmen sind verboten. Die zwölf Geschworenen müssen jetzt in der zweiten Prozessphase mildernde und erschwerende Umstände abwägen. Danach entscheiden sie über Hinrichtung oder lebenslange Haft.
Die meisten Rechtsexperten glauben nach dem Jury-Urteil vom Montag, dass die Anklage die besseren Argumente auf ihrer Seite hat. Die Staatsanwälte müssen beispielsweise nicht mehr die Tatbeteiligung, sondern nur noch die besondere Schwere oder Heimtücke der Tat nachweisen.
Viereinhalb Jahre nach den Anschlägen vom 11. September werden sich im Gerichtssaal von Alexandria bewegende Szenen abspielen. 45 Angehörige von Hinterbliebenen wollen den Juroren von ihren Traumata, anhaltenden Qualen und schweren Folgen für die zerrissenen Familien berichten. Bandmitschnitte werden vorgespielt, auf denen die späteren Opfer verzweifelt oder in völliger Panik um Hilfe riefen.
Der Verteidigung bleiben nicht viele Optionen offen. Die Anwälte kündigten an, dass sie Moussaouis schwere Kindheit, seine Probleme mit dem Umzug der Familie von Marokko nach Frankreich, mit Rassismus und anti-islamischen Fanatikern thematisieren werden. Diese Umstände hätten den Angeklagten für den radikalen Islam anfällig gemacht. Darüber hinaus wollen die Verteidiger ihren Mandanten als schizophren oder geistesgestört porträtieren.
Das Problem: Der Mandant ist völlig außer Kontrolle und will offensichtlich auch sterben. Moussaoui spricht nicht mit seinen Pflichtverteidigern und hat schon in der ersten Verfahrensphase mit neuen Aussagen ein Todesurteil regelrecht heraufbeschworen. Anders als in bisherigen Aussagen will das Al-Qaida-Mitglied von der Anschlagsplanung für den 11. September gewusst haben. Auch im zweiten Teil des Prozesses möchte Moussaoui wieder das Gericht als Bühne nutzen. Bis jetzt hält das Rätselraten in US-Medien an, warum Moussaoui der Anklage so in die Hand spielte und bewusst seinen Kopf riskierte. Nach einer Theorie wollte er einer lebenslänglichen Haft entgehen und nicht im "Gefängnis verrotten", sondern als Märtyrer ins Paradies eingehen.
Nach anderer Lesart könnte Moussaoui über seine Verteidiger erbost gewesen sein. Die hätten ihn nur als Mitläufer und Möchtegern-Attentäter beschrieben, während der Angeklagte gern als vollwertiges Mitglied der Verschwörung in die Geschichtsbücher eingehen möchte.
Virginia ist nach Texas der US-Bundesstaat, in dem die meisten zum Tode Verurteilten auch hingerichtet wurden. Nach Angaben des "Informationszentrums zur Todesstrafe" können die To-deskandidaten zwischen der Giftspritze und dem elektrischem Stuhl wählen.