Der gestiegene Waren- und Reiseverkehr führt auf der 58 Kilometer langen Trasse zwischen dem Berliner Ring und der deutsch-polnischen Grenze häufig zu brenzligen Situationen, die oftmals tragisch ausgehen.
Jetzt weist die diesjährige A 12-Todesliste Opfer Nummer elf und zwölf aus. Eine Mutter und ihr sechsjähriges Kind gerieten mit ihrem Auto kurz vor dem deutsch-polnischen Autobahn-Grenzübergang unter einen im Stau stehenden Laster.
Insgesamt 391 Verkehrsunfälle gab es auf der A 12 in den ersten zehn Monaten dieses Jahres. Im Vergleichszeitraum 2005 waren es 329. "In Sachen Verkehrssicherheit ist die Bundesregierung in der Pflicht, muss endlich reagieren", fordert Zalenga. Von einem sechsspurigen Ausbau der bisher auf zwei Fahrstreifen je Richtung begrenzten A 12 wird offiziell jedoch nicht mehr geredet. Weil das dafür nötige Verkehrsaufkommen längst nicht erreicht sei, lehnte die Bundesregierung diese Forderung ohnehin kategorisch ab.
Zur kurzfristigen Abhilfe setzt die Region nun Hoffnungen in die Installierung einer sogenannten Verkehrsbeeinflussungsanlage im kommenden Jahr. Gemeint ist ein flexibles elektronisches Leitsystem, dass Tempolimit und auch ein mögliches Überholverbot nur dann anzeigt, wenn es die Situation auf der Autobahn auch erfordert - bei dichtem Verkehr oder Stau. "Wir werden den Antrag noch in diesem Jahr der Bundesregierung vorlegen", sagt der künftige Brandenburger Verkehrsminister Reinhold Dellmann (SPD), der Diskussionen mit dem Bundesverkehrsministerium voraussieht. Immerhin kostet die
High-Tech-Anlage etwa vier Millionen Euro. "Da müssen wir aus der Region gemeinsam Druck machen, denn das Ganze wird eine politische Entscheidung sein", appelliert er.
Im Bundeshaushalt für 2007 immerhin schon eingestellt ist der rund 45 Millionen Euro teuere Bau fehlender Standstreifen auf der A 12. "Das sind dann drei Meter mehr Platz und der würde schon helfen, so manche Situation zu entschärfen, weil der Auto- oder Brummifahrer dorthin ausweichen kann", sagt Dietmar Noffke, Chef der Autobahnpolizei.
An eine Entschärfung der Situation durch den Beitritt Polens zum Schengener Abkommen und dem damit verbundenen Wegfall der Passkontrollen an der deutsch-polnischen Grenze glaubt vor Ort niemand. "Die A 12 ist als Teil der Europastraße 30 nun mal die wichtigsten Verkehrsverbindung zwischen Ost- und Westeuropa, da wird die Zahl der Lkw noch steigen, auf bis zu 15 000 am Tag", sagt der Frankfurter Verkehrsexperte Karl-Heinz Bossan. Seit der EU-Osterweiterung hat sich der Brummi-Ansturm fast verdreifacht, von Dienstag bis Sonnabend stauen sich die wartenden Lkw inzwischen vor dem Nadelöhr der Grenzabfertigung. Die Autobahnbrücke über die Oder ist zu schmal - hier geht es nur einspurig vorwärts - auch wenn die Grenzer schnell abfertigen, kommen nicht genügend Transporter nach. Ideen für eine technische Verbesserung gibt es nach Angaben von Dellmann schon, konkrete Vereinbarungen machten die Polen jedoch von einer Aufhebung des Sonntagsfahrverbot für Lkw in Deutschland abhängig.
Ursprünglich für 2007 geplant ist der tatsächliche Zeitpunkt für den Schengen-Beitritt Polens ohnehin nicht zu halten, erklärt der künftige Brandenburger Verkehrsminister. "Aufgrund von Computerproblemen an der neuen EU-Außengrenze im Osten Polens kann heute niemand sagen, wann es soweit sein wird."