Angehörige von Marlis K. fanden ihr Auto an einem Samstag im März 2009 auf einem Parkplatz an einem Kiesgrubensee bei Hennersdorf (Elbe-Elster). Die damals 53-jährige Finsterwalderin lag tot auf der Rückbank. Einen Tag später nahm die Polizei ihren Geliebten, Imbissbetreiber Veysel K., fest. Im Januar 2010 verurteilte ihn das Landgericht Cottbus zu neun Jahren Haft wegen Totschlags.

Mitte März wird Veysel K. wieder in Cottbus vor dem Landgericht stehen. Dann wird der Fall komplett neu verhandelt, denn der Bundesgerichtshof (BGH) hatte auf Antrag der Verteidigung schon im Sommer 2010 das Urteil gegen den damals 57-Jährigen aufgehoben. Sein Anwalt Jens Mader ist sich sicher, dass der zweite Prozess mit einem Freispruch enden wird: "Es war ein Unfallgeschehen, kein Tötungsdelikt."

Falls es wirklich zum Freispruch käme, hätte Veysel K. achtzehn Monate unschuldig in Untersuchungshaft gesessen. So lange dauerte es von seiner Festnahme über das Urteil des Cottbuser Landgerichtes bis zur Entscheidung des BGH, dass neu verhandelt werden muss.

Das hätte eigentlich schon vor zwei Jahren geschehen sollen, doch zwei neue Gutachten von einem Rechtsmediziner und von einem Gynäkologen trafen erst viel später ein. Sie werden nach Auskunft von Verteidiger Jens Mader in dem neuen Prozess eine wichtige Rolle spielen.

Marlis K. hatte bei ihrer Arbeit in einem Presseshop in Doberlug-Kirchhain den vier Jahre älteren Dönerverkäufer kennengelernt. Der Mann umwarb sie, steckte Rosen an den Scheibenwischer ihres Autos. Sie gab seinem Werben nach. Bei einem sexuellen Zusammensein soll er sie in seiner Wohnung mit einem später nicht gefundenen Gegenstand im Genitalbereich schwer verletzt und erstickt haben, in dem er ihr Gesicht auf eine Decke drückte.

Als Motiv nahmen die Richter bei der ersten Verurteilung von Veysel K. eine schwere Kränkung durch die Frau an. Er habe ihren Tod billigend in Kauf genommen, als er sie auf die Decke drückte, um sie ruhigzustellen, so die damalige Überzeugung der Ersten Großen Strafkammer.

Doch die Beweiswürdigung in der Urteilsbegründung hielt der Prüfung durch den BGH nicht stand. Die Cottbuser Richter hätten nicht dargelegt, wie lange der Erstickungsvorgang mindestens gedauert habe, so die obersten Richter. Davon hänge aber ab, ob sich der Angeklagte der Lebensgefährlichkeit seines Handelns bewusst gewesen sein kann.

Neben den genauen Todesumständen sei auch die Frage des Tatmotives nicht ausreichend beleuchtet worden, hatte der BGH kritisiert.

In dem neuen Verfahren werde es besonders auf die schwierige Aufklärung der Todesursache von Marlis K. ankommen, heißt es in dem BGH-Beschluss. Die Verteidigung von Veysel K. hatte auf eine Embolie nach einer Verletzung im Genitalbereich als mögliche Ursache für den plötzlichen Tod der Frau hingewiesen.

Veysel K., der bei seiner Festnahme 2009 schon 13 Jahre in Deutschland lebte, hatte bis zur Verurteilung durch das Landgericht Cottbus immer wieder beteuert, seiner Geliebten keine Gewalt angetan zu haben. Seit er im Spätsommer 2010 aus der Haft freikam, pendelt er nach Auskunft seines Anwaltes Jens Mader zwischen Deutschland, wo ein Teil seiner Familie lebt, und der Türkei. "Seine Existenz in Deutschland ist vernichtet", sagt Mader.

Er ist jedoch überzeugt, dass der inzwischen 61-jährige frühere Imbissbetreiber zum neuen Prozessbeginn nach Cottbus kommt: "Es ist sein fester Wille, er will rehabilitiert werden." Ob Angehörige von Marlis K. wie im ersten Prozess erneut als Nebenkläger auftreten werden, ist noch nicht bekannt.