Eine Mutter steht nach dem Tod ihres Neugeborenen vor knapp drei Jahren erneut vor Gericht. Laut Anklage soll die Studentin ihren Sohn in der Wohnung ihrer Eltern in Berlin-Karow mit einer Decke erstickt haben. Im ersten Prozess erhielt sie drei Jahre Gefängnis wegen Totschlags.

Dieses Urteil hat der Bundesgerichtshof (BGH) aufgehoben. Zu Beginn des neuen Prozesses sprach die 26-Jährige von einem Unglück: Nach der schmerzhaften Geburt sei sie in Ohnmacht gefallen, erklärte sie. Als sie erwachte, habe ihr Oberschenkel auf dem Kind gelegen. "Ich habe mein Kind nicht getötet und wollte es nicht", erklärte die Studentin am Dienstag vor dem Landgericht.

Am 10. Dezember des Jahres 2012 hätten "plötzlich niederschmetternde Schmerzen" eingesetzt. Warum sie keine Hilfe holte, wisse sie nicht. Sie habe erst mit einem späteren Geburtstermin gerechnet und sei völlig hilflos gewesen. Als sie nach der Geburt zu sich kam, sei das Kind leblos gewesen.

Bei ersten Vernehmungen der Polizei im Krankenhaus hatte die Studentin zugegeben, das Baby nach verheimlichter Schwangerschaft erstickt zu haben. Die Anklage wirft ihr vor, sie habe das Kind nicht gewollt und ihm minutenlang eine Decke auf das Gesicht gedrückt.

Das Landgericht sprach die Angeklagte im November 2013 unter anderem auf Grundlage des Geständnisses schuldig. Der Verteidiger forderte damals Freispruch und argumentierte, die ersten Aussagen der Frau hätten Kriminalbeamte "unter skurrilen Umständen abgetrotzt".

Der Bundesgerichtshof entschied im Oktober des vergangenen Jahres, dass das Geständnis nicht hätte verwertet werden dürfen. Es habe auf der Hand gelegen, dass die Frau derart erschöpft war, dass sie einer "immer energischer geführten konfrontativen Befragung nicht mehr in freier Willensbetätigung würde standhalten können".

Die Studentin sagte unter Tränen im jetzigen Prozess, sie befinde sich bis heute in einer Therapie, "um den Tod meines Kindes zu verarbeiten und zu verstehen, wie es dazu kommen konnte". Die Verhandlung wird am 13. Oktober fortgesetzt.