„Wer eingeschult wird, muss den
Lehrer auch voll
und ganz
verstehen können.“
 Stanislaw Tillich (CDU),
sächsischer Ministerpräsident


Tillichs zentrale Forderung ist ein stärkeres Engagement der Bundesregierung. „Ohne zusätzliches Geld werden wir in Deutschland kurzfristig nicht die notwendigen Verbesserungen, sei es in der Sprachförderung oder bei der frühkindlichen Erziehung, erreichen.“ 90 Prozent der Bildungskosten in Deutschland würden die Länder tragen. Von höheren Investitionen profitiere aber auch der Bund, „weil gut ausgebildetes Personal ein wichtiger Standortvorteil ist und weniger Geld für Nachqualifizierung oder Arbeitslosigkeit bedeutet“ . Zahlen nennt Tillich indes nicht.
In inhaltlichen Dingen erwartet Tillich vom Bund jedoch Zurückhaltung. „Natürlich geht es aus Ländersicht nicht an, dass der Bund Vorschriften macht, wie wir unsere Bildungspolitik zu organisieren haben. Das können die Länder selbst sehr gut erledigen, wie Sachsen bewiesen hat.“
Deutlich verlangt der Regierungschef eine größere Unterstützung von Unternehmen. „Es hilft niemandem weiter, über fehlende Ausbildungsreife zu klagen und gleichzeitig die Hände in den Schoß zu legen.“ Gewollt seien künftig mehr Kooperationen von Wirtschaft und Schule. „Die Zeiten, in denen Unternehmer aus ideologischen Gründen vor der Schultür bleiben mussten, sind vorbei.“ Schüler sollten schon vorm Berufseinstieg praktische Erfahrungen sammeln können.
Als notwendig erachtet Tillich verbindliche Sprachtests für deutsche wie ausländische Kinder im Vorschulalter. Bildungsdefizite müssten schon vor der Einschulung beseitigt werden. „Wer eingeschult wird, muss den Lehrer auch voll und ganz verstehen können.“ Bei Bedarf müsse es eine verbindliche Förderung zum Spracherwerb geben. Man müsse mehr in frühkindliche Bildung investieren, statt am Ende zu reparieren.
Tillich zielt vor allem auf Solidarität mit dem bildungsschwachen Nachwuchs. Verantwortung bedeute, „dass wir verstärkt diejenigen Menschen fördern müssen, die ganz konkret Hilfe brauchen“ . Deutschland könne es sich nicht leisten, dass junge Menschen die Schule abbrechen und dann keine weitere Chance erhalten. Nötig sei mehr Durchlässigkeit im gesamten Bildungssystem. Auch mit einem guten Meisterabschluss solle ein Hochschulstudium möglich sein.
Für eine polytechnische Ausbildung bräuchten Schulen praxisnahen Unterricht in den Naturwissenschaften. Stanislaw Tillich: „Hier erwarte ich von den Hochschulen Schritte zu einer praxisnäheren Lehrerausbildung.“