"Sie macht den Unterschied zur DDR deutlich: Ein wirklich frei und gleich gewählter Landtag verabschiedete sie auch als Grundlage für eine funktionierende Gewaltenteilung", betonte Tillich in einem Beitrag zum 25. Jahrestag der Verfassung.

Auch wenn er die Verfassungsgebung damals aus der Distanz verfolgt habe, "so schaue ich bis heute dankbar und demütig auf diesen wichtigen Schritt unseres jungen Freistaats". Tillich war Anfang der 1990er-Jahre als Beobachter im Europäischen Parlament tätig.

Die Verfassung sei in einer "nicht einfachen Zeit" der Umbrüche geschrieben worden: "Unternehmen investierten, aber viele wurden auch abgewickelt, zahlreiche Sachsen machten sich selbstständig, andere erfuhren einen Bruch in ihrer Biografie, weil sie arbeitslos wurden." Auch hätten die Ostdeutschen erst lernen müssen, sich "gegenüber dem einen oder anderen gut meinenden Ratgeber" durchzusetzen und eigene Erfahrungen in das vereinte Deutschland einzubringen. "Umso wichtiger war es, sich selbst zu vergewissern und neben dem Aufbau der sozialen Marktwirtschaft auch das demokratische und rechtsstaatliche Fundament zu festigen."

Als zentrale Punkte der Verfassung nannte Tillich das klare Bekenntnis zur internationalen und vor allem europäischen Zusammenarbeit, die Erwähnung der Sorben als nationale Minderheit sowie den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und der Kultur. "Stolz bin ich, an der bisher einzigen Verfassungsänderung mitgewirkt zu haben, die wir parteiübergreifend 2013 beschlossen haben." Damals wurde die Schuldenbremse in der Verfassung verankert, die Tillich zufolge den "ungeschriebenen Grundsatz der Generationengerechtigkeit" verdeutlicht. "Denn unsere Verfassung ist auch für kommende Generationen geschrieben", schrieb er in einem Beitrag für eine Gedenkbroschüre des CDU-Abgeordneten Marko Schiemann, der als einer der Väter des Rechtswerks gilt.

Landtagspräsident Matthias Rößler warnte jene, die den Rechtsstaat infrage stellen. "Unsere Gesellschaft tritt Extremisten entgegen und verteidigt ihre Freiheit auf dem Boden der Verfassung", sagte der Präsident. Es gebe keine "Freiheit zur Beseitigung der Freiheit".

Als konkretes Beispiel nannte er die Meinungsfreiheit. Sie müsse stets mit anderen Grundrechten abgewogen werden: "Dort, wo gegen Menschen gehetzt und aufgehetzt wird, wo verbal Rechtsbruch begangen wird, dort endet Meinungsfreiheit und nimmt das Grundrecht Schaden."

Nach mehr als zweijähriger öffentlicher Diskussion hatten die Abgeordneten des ersten Sächsischen Landtags am 26. Mai 1992 in der Dresdner Dreikönigskirche die Verfassung mit großer Mehrheit beschlossen. Am Mittwochnachmittag sollte das Jubiläum im Landtag mit einem Festakt gefeiert werden.