Schätzungen zufolge würden die Halter einen wirtschaftlichen Schaden von insgesamt 1,6 Millionen Euro monatlich erleiden, sagte eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums gestern in Dresden. Deshalb habe Landwirtschaftsminister Stanislaw Tillich (CDU) die Bundesregierung aufgefordert, die von der EU zugesicherten Sondermaßnahmen für die Geflügelwirtschaft in Anspruch zu nehmen. Es könne nicht sein, dass in vielen europäischen Ländern die Unternehmen unterstützt würden und in Deutschland keine Hilfe möglich sein soll, appellierte der Minister an Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU).
Am Dienstag hatte die EU Marktstützungsmaßnahmen beschlossen, um die Geflügelbranche für die durch die Vogelgrippe entstandenen Verluste finanziell zu unterstützen. Dazu können die Mitgliedsstaaten zum Ausgleich von Absatzrückgang und Preisverfall Hilfsprogramme auflegen. Nach Angaben des Ministeriums wird die Hälfte der dabei anfallenden Kosten auf Antrag aus dem EU-Haushalt gezahlt. Die andere Hälfte müsste vom Bund getragen werden. Allerdings könne noch nichts über die Höhe der finanziellen Unterstützung gesagt werden, fügte die Sprecherin hinzu. "Das wird im Einzelfall entschieden". Denn die Verluste würden nicht nur Betriebe betreffen, deren Nutztiere gekeult wurden, sondern den gesamten Geflügelmarkt im Freistaat.
Indes ist nach dem Ausbruch der Vogelgrippe auf einer Geflügelfarm in Wermsdorf nicht endgültig geklärt, wie sich die im Stall gehaltenen Puten anstecken konnten. Die Experten des Friedrich-Loeffler-Institutes gehen in ihrem Abschlussbericht davon aus, dass die Infektion über erkrankte Wildvögel erfolgte. Wie der Eintrag in den Stall erfolgte, dafür würden mehrere Möglichkeiten genannt, etwa über Streu oder an Kleidungsstücken, sagte der Sprecher des sächsischen Sozialministeriums, Ralph Schreiber gestern. Bei der Gänsezucht Wermsdorf Eskildsen GmbH östlich von Leipzig war erstmals in einem deutschen Nutztierbestand das auch für den Menschen gefährliche Vogelgrippevirus H5N1 Asia nachgewiesen worden. Die Seuche brach am 5. April aus. In Sachsen gibt es einen ersten Vogelgrippefall bei Wildgeflügel. Bei einer Reiherente im Landkreis Bautzen wurde sie nachgewiesen. (dpa/ddp/fm)