Wenn man durch so eine Tor-Schleuse ins Gefängnis reinkommt, dann "geht schon etwas hinter einem zu", meinte der Regierungschef, als er dann drin war. Klar, für einen Besucher ist das nochmal was anderes. Tillich fuhr gestern mit Dienstwagen und Tross in die Justizvollzugsanstalt Leipzig ein. Es war sein erster Besuch im Knast, seit er Ministerpräsident ist. Der Freistaat will ab dem nächsten Jahr mehr Wachpersonal einstellen. Das verkündet man am besten vor Ort, Tillich kam gemeinsam mit seinem Justizminister, Sebastian Gemkow (CDU).

Die Leipziger JVA mit angeschlossenem Haftkrankenhaus ist die zweitgrößte Anstalt in Sachsen. Zehn Hektar groß ist die Anlage am südlichen Rand der Stadt, gleich neben dem Globus-Markt. Mauern aus schroffen Betonblöcken versperren von außen den Blick auf alles.

Mit 400 Haftplätzen ist das Haus mittelgroß im Bundesvergleich. Hier sitzen mehrheitlich Männer ein, die sich in Untersuchungshaft befinden. Die meisten von ihnen sind jung, ein Drittel Ausländer. Wie der junge Algerier im Fußball-Trikot, den Tillich auf dem Flur anspricht. Seit zwei Monaten sitzt er ein, wegen einer Drogen-Geschichte.

Ausbildung in Modulen

U-Haft, das bedeutet viel Kommen und Gehen. "Bei uns ist so viel Bewegung", sagt Anstaltsleiter Rolf Jacob, "das macht aber auch viel Arbeit." Für jeden Gefangenen wird eine Akte angelegt, aber wirkungsvolle Ursachenbekämpfung ist praktisch unmöglich. Die Insassen bleiben vielleicht so lange, um ein bisschen Deutsch zu lernen. Aber kaum lange genug, um eine Lehre zu beenden. Beides bietet die Haftanstalt an. Die Ausbildung läuft modulweise, um sie später draußen fertigzumachen. Nicht wenige verlassen das Haus mit einem Alkoholproblem. "Wir haben sie trocken bekommen", sagt Jacob, "und dann ist der erste Weg zum Getränkestützpunkt."

Helfen kann mehr Beschäftigung. Aktuell sind gerade 40 Prozent der 408 Gefangenen in Arbeit. Für mehr reicht einerseits das Personal im Haus nicht aus. Andererseits lassen sich Kooperationen mit Unternehmen für die JVA nur schwer anbahnen. Hauptsache, die Leute haben Arbeit und verdienen Geld, meinen die Betreuer. Das hilft, um hinterher im Leben wieder Fuß zu fassen. Ebenso wie das Miteinander im Knast.

Hafthäuser lassen auch Nähe zu

Hauschef Jacob legt Wert darauf, die Gefangenen "auf Augenhöhe" zu behandeln. Die H-förmigen Hafthäuser zwischen kurz geschorenen Rasenflächen sind unterteilt in kleine Abteilungen, die Nähe ermöglichen. Je mehr Wachtmeister und Sozialarbeiter über einen Gefangenen und dessen Hintergrund wissen, desto besser. Und gerade für Leute mit Kurzstrafen ist der Kontakt zur Familie wichtig. Wo es geht, sind Inseln der Wärme eingeblockt: eine Spielecke im Besuchszimmer, eine frisch geharkte Rosenrabatte im ansonsten sterilen Innenhof, grün gestrichene Türen.

Rolf Jacob wirbt damit, die "grünste Anstalt Sachsens" zu leiten. Weil Grün nun mal die Farbe der Hoffnung ist. Und Hoffnung ist wichtig, auch für die Mitarbeiter, die hier Tag um Tag verbringen. Sie machen eine Arbeit, "die für die Gesellschaft notwendig ist", sagt Tillich zu Wachleuten, Sozialarbeitern und Seelsorgern. Von denen wünscht sich Rolf Jacob mehr. Empfohlen werden 37 Uniformierte je 100 Gefangene - in Leipzig sind es aktuell 30.

Im Haushaltsentwurf für 2017 und 2018 sind 50 zusätzliche Justizvollzugsbeamte eingeplant, sagt Minister Gemkow. Der Stellenzuwachs ist Teil eines Sicherheitspakets, das die CDU-SPD-Regierung beschlossen hat.