"Im Durchschnitt werden jährlich etwa 660 Tonnen Kriegsmunition geborgen und vernichtet", sagt Ralph Leidenheimer, Direktor des Brandenburger Zentraldienstes der Polizei, zu dem der KMBD mit Sitz in Wünsdorf (Teltow-Fläming) gehört. Fast 10 000 Tonnen "gefährlicher Kriegshinterlassenschaften" seien seit 1991 im Land Brandenburg unschädlich gemacht worden. Am häufigsten würden deutsche und russische Munition sowie Bomben aus den Luftangriffen der Alliierten während des Zweiten Weltkrieges gefunden.
"Besonders belastet sind die Regionen der Hauptkampflinien des Zweiten Weltkrieges entlang der Oder, die Seelower Höhen, der ehemalige Kessel von Halbe und die gesamte Umgebung von Berlin." Hinzu kämen Städte wie Brandenburg/Havel, Potsdam oder Cottbus. Ein Arbeitsschwerpunkt für den KMBD ist jedoch Oranienburg (Oberhavel).

Hoher logistischer Aufwand
Seit der Wende mussten in der rund 41 200 Einwohner zählenden Stadt mehr als einhundertmal Menschen wegen der Entschärfung von Bomben evakuiert werden, berichtet Ordnungsamtsleiterin Sylvia Holm - ein hoher logistischer Aufwand. Holm kann sich an einen Fall erinnern, als 13 000 Oranienburger vorübergehend nicht in ihren Häusern bleiben durften. Spektakulär sei eine Entschärfung im Dezember vergangenen Jahres verlaufen, als laut Holm eine 250 Kilogramm schwere Bombe, die auf dem Grund der Havel lag, außer Gefecht gesetzt wurde: "Es gab eine deutliche Wasserfontäne."
In Brandenburg wird systematisch nach diesen Kriegshinterlassenschaften gesucht. Die Mitarbeiter des KMBD recherchieren mithilfe von Kriegsluftbildern oder Karten und moderner Auswertungstechnik nach Verdachtspunkten. Vor Ort überprüfen sie mit einer Sonde, die durch ein Loch in den Boden gelassen wird, ob es sich um einen metallischen Körper handelt. Nicht immer stoßen sie dabei auf Bomben: Vor kurzem entpuppte sich in Oranienburg ein verdächtiger Gegenstand als eine Ansammlung harmloser Stahlteile.
Leidenheimer zufolge wird eine Bombe auf einem dünn besiedelten Areal gleich nach dem Fund oder einen Tag später entschärft oder gesprengt. In Stadtgebieten dauere die Vorbereitung zum Teil mehrere Tage. Wenn eine Entschärfung zu gefährlich sei, werde die Bombe vor Ort kontrolliert zur Explosion gebracht. Solche Arbeiten laufen nicht immer glimpflich ab: 2004 kam ein Mitarbeiter des KMBD auf dem Munitionszerlegebetrieb in Kummersdorf-Gut (Teltow-Fläming) ums Leben.

Zehn Millionen Euro pro Jahr
Die Kosten für die Kampfmittelräumung trägt Leidenheimer zufolge das Land mit jährlich etwa zehn Millionen Euro. Der Bund bezahle nur die Beseitigung von sogenannter reichseigener Munition - also nicht die der alliierten Truppen - sowie jede Räumung auf seinen eigenen Liegenschaften. "Da Brandenburg aber stark mit Kampfmitteln alliierter Herkunft belastet ist, müssen rund zwei Drittel der Kosten durch das Land selbst getragen werden."
Nach Angaben des Potsdamer Innenministeriums bleibt das auch so. Der Bund habe seine Beteiligung an den Kosten trotz des Widerstands der Länder reduzieren wollen. Diese Diskussion sei mittlerweile vom Tisch. Die Suche nach den Blindgängern müsse zügig vorangetrieben werden, fordert Leidenheimer. "Die Gefahr einer unkontrollierten Selbstdetonation wird wegen der zunehmenden Korrosion umso größer, je länger die alten, mit Langzeitzündern ausgestatteten Kampfmittel im Boden liegen." In den vergangenen 30 Jahren seien in Brandenburg fünf amerikanische Bomben in der Erde explodiert und bereits Unbeteiligte verletzt worden.