Nach Angaben der Organisation Studenten für ein freies Tibet wurden in der Nacht zu gestern vier weitere Ausländer festgenommen. Das geistliche Oberhaupt der Tibeter, der Dalai Lama, warf China bei seinem Besuch in Frankreich vor, erneut auf tibetische Demonstranten geschossen zu haben.
Die wegen „Störung der öffentlichen Ordnung“ festgenommenen Ausländer seien bereits am Dienstag verhört worden, teilte die Pekinger Polizei mit. Die Identität der sechs Ausländer in Gewahrsam war zunächst unklar. Nach Angaben der Organisation Studenten für ein freies Tibet waren am Dienstag sechs Amerikaner von der Polizei kontrolliert worden, deren Aufenthaltsort nach wie vor unbekannt sei.
Bei den vier weiteren Festgenommenen handelte es sich demnach um einen Deutsch-Tibeter, einen Briten und zwei US-Amerikaner. Drei von ihnen hätten in der Nähe des Olympiastadions eine Tibet-Flagge entrollen wollen. Ihr Aufenthaltsort sei unbekannt. Die chinesischen Behörden wollten zu den Angaben zunächst keine Stellung nehmen.
In der Erklärung von Studenten für ein Freies Tibet hieß es weiter, die Polizeiüberwachung habe in den vergangenen Tagen „dramatisch“ zugenommen. Ausländische Tibet-Aktivisten nutzten die am Sonntag zu Ende gehenden Olympischen Spiele in Peking bereits achtmal als Bühne, um gegen den chinesischen Umgang mit dem nach mehr Autonomie strebenden Tibet zu protestieren.
Der Dalai Lama beschuldigte im Rahmen seines zwölftägigen Frankreichbesuchs die chinesische Armee, diese Woche 140 Demonstranten getötet zu haben. In einem Interview mit der Zeitung „Le Monde“ sagte der Dalai Lama, chinesische Soldaten hätten am Montag in der Region Kham im Osten von Tibet in eine Menge geschossen. Diese Angaben seien aber noch nicht bestätigt. Seit Beginn der Proteste gegen China im März hätten „verlässliche Zeugen“ von 400 Toten allein in der tibetischen Hauptstadt Lhasa und Umgebung berichtet, sagte der Dalai Lama.
Das Verhältnis zwischen Frankreich und China ist angespannt, seit der olympische Fackellauf in Paris im Frühjahr wegen Protesten gegen chinesisches Vorgehen in Tibet abgebrochen werden musste. Peking warnte Staatschef Nicolas Sarkozy davor, den Dalai Lama während seines Besuches in Frankreich zu treffen. Heute werden Präsidentengattin Carla Bruni-Sarkozy und Außenminister Bernard Kouchner mit dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter zusammenkommen.
(AFP/das)