Thomas Grünewald, derzeit noch Vizepräsident der Universität Potsdam, soll ab 1. Mai die Lausitzer Hochschullandschaft neu ordnen. Mit der Berufung des profilierten Wissenschaftsmanagers will Ministerin Sabine Kunst (parteilos) die Debatte um ihre Pläne in geordnete Bahnen lenken. Grünewald, einst von Kunst nach Potsdam geholt, betonte, dass er ohne eindeutige Festlegungen in die Lausitz gehe.

"Nach Rom führen viele Wege", antwortet Grünewald bei seiner Vorstellung in der Potsdamer Staatskanzlei auf die Frage, ob die von der Ministerin favorisierte Neugründung einer Universität in der Lausitz für ihn eine verbindliche Vorgabe sei. Die Formulierung greift Ministerin Kunst dankbar auf und sagt dann, dass auch sie "die Tür noch mal aufmacht". Man habe bei den Begegnungen in der Lausitz einiges gelernt und denkbar sei auch "eine enge Kooperation von zwei selbstständigen Einrichtungen".

Vorsichtige Kurskorrektur

Mit der Berufung von Grünewald geht offensichtlich eine vorsichtige Kurskorrektur einher. Kunst hatte am Vormittag auf einer Sitzung der Linksfraktion noch vehement dafür plädiert, die beiden jetzigen Hochschulinstitutionen in der Lausitz aufzulösen und durch eine neue Universität zu ersetzen. Und sie hatte dabei auch klar gemacht, dass sie den von ihr als Paukenschlag bezeichneten Vorstoß vor allem mit den Fehlern begründet, die aus ihrer Sicht in den letzten Jahren an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) gemacht wurden.

Auf eine freiwillige Kooperation zwischen der BTU und der Hochschule Lausitz setzt die Ministerin nicht. Die letzten Jahrzehnte hätten bewiesen, dass die beiden Wissenschaftseinrichtungen dazu nicht in der Lage seien.

Weitreichende Handlungsfreiheit

Grünewald hat jetzt nach Angaben der Ministerin weitreichend Vollmachten bei dem Versuch, die Lausitzer Hochschulangehörigen zur Zusammenarbeit zu bewegen. Mit seinen Erfahrungen aus Nordrhein-Westfalen, wo er viele Jahre im Wissenschaftsministerium gearbeitet hat, sei er dafür bestens qualifiziert, so Kunst.

Der Mann, der 1959 in Merzig/Saar geboren wurde und im Saarland aufgewachsen ist, hat unter anderem auch die Fusion der Gesamthochschulen von Essen und Duisburg begleitet - ein Prozess der aus seiner Sicht überaus erfolgreich verlaufen ist.

Sein Amt als Vizepräsident der Universität Potsdam wird Thomas Grünewald aufgeben müssen. Zwischen zwölf und 24 Monate könne die Aufgabe in der Lausitz dauern, sagt er.

Was danach komme, wisse er nicht. Er will aber auch nicht ausschließen, dass er sich dann möglicherweise als Gründungspräsident einer neuen Universität in Cottbus bewerben könnte.

Nachdem Sabine Kunst zur Ministerin berufen worden war, übernahm er für einige Monate die Leitung der Universität Potsdam. In dieser Zeit hat er sich nicht zuletzt mit deutlicher Kritik an der derzeitigen Finanzierung der Hochschulen des Landes hervor getan. So forderte Grünewald unter anderem eine Debatte um Studiengebühren. Es sei ein falsches "ideologisches Dogma" , dass an den Hochschulen ein jeder nach Belieben studieren könne. Grünewald hatte damals auch gesagt, dass die Zahl der Studienplätze in Brandenburg nur dann erhalten werden könne, wenn zusätzliche Gelder zur Verfügung stünden.

Neben Grünewald als Beauftragtem der Ministerin soll auch noch ein bislang nicht benannter Moderator den Prozess begleiten. Sabine Kunst sagte, diese Aufgabe werde ausgeschrieben. Der Moderator soll die ab Mai stattfindenden Workshops gestalten, auf denen in der Lausitz alle Beteiligten ihre Vorstellungen zur Diskussion stellen sollen.

Keine Abkehr von Zeitplan

In der Linksfraktion rückte Ministerin Kunst trotz besorgter Nachfragen von Abgeordneten nicht von ihrem Zeitplan ab. Für das von ihr favorisierte Modell einer Auflösung der jetzigen Hochschulen will sie eine Gesetzesvorlag noch in diesem Jahr im Landtag einbringen.

Auf Fragen nach der Finanzierung dieses Prozesses antwortete sie ausweichend. Sie wies darauf hin, dass derzeit die Studienplätze in der Lausitz den Landeshaushalt stärker belasteten als solche an anderen Standorten. Sie sagte auch, dass sie als Ergebnis der Veränderungen in der Lausitz "schlankere Strukturen" erwarte.