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| 21:30 Uhr

Theresa May als erste bei Trump

Präsidentschaftskandidat der Republikaner Donald Trump.
Präsidentschaftskandidat der Republikaner Donald Trump. FOTO: Jim Lo Scalzo (EPA)
Washington. Wenn Theresa May als erster ausländischer Staatsgast nach Washington kommt, wird sie fast zwangsläufig mit ihrer Vorvorgängerin in der Downing Street verglichen werden. Mit Margaret Thatcher, der Eisernen Lady. Frank Herrmann

Ob es nun stimmt oder nur gut erfunden ist, angeblich soll Donald Trump im kleinen Beraterkreis bereits von "Meiner Maggie" sprechen, wenn er die britische Premierministerin meint. Jedenfalls haben es seine Presseleute so an die Medien durchgestochen, offenbar auch, um Differenzen zu übertünchen, die es in der Substanz gibt.

Margaret Thatcher und Ronald Reagan waren Seelenverwandte, Schlüsselfiguren der konservativen Gegenbewegung der Achtzigerjahre. Kein Wunder, dass die Tochter eines Kolonialwarenhändlers über den früheren Hollywood-Schauspieler sagte, er sei der zweitwichtigste Mann in ihrem Leben. Im politischen Kontext verstand sie sich als strenge Lehrerin, stolz darauf, Reagan das Rückgrat zu stärken, wenn der ihrer Ansicht nach einmal zu wackeln begann. Schon die symbolisch überladene Vorgeschichte illustriert, dass der Maggie-Thatcher-Vergleich hinkt, weil May einen solchen Part nicht zu spielen vermag.

Heather Conley, Europa-Expertin am Center for Strategic & International Studies, einem Thinktank in Washington, sieht die britische Regierungschefin eher in einer anderen Rolle. Sie traut ihr zu, Brücken zwischen Trump und den Europäern zu bauen. May könne dem US-Präsidenten nahelegen, dass "Amerika stark ist, wenn auch Europa stark ist". Sie könne erläutern, warum es im amerikanischen Interesse liege, nicht an den Bündnisverpflichtungen der Nato zu rütteln, sagt Conley in einem Interview. "America first" treffe auf "Global Britain", allein in dieser Konstellation liege Würze, fügt sie hinzu. Man werde sehen, wie die Britin, die den Austritt ihres Landes aus der EU zumindest verbal mit der Weltoffenheit einer global vernetzten Insel verbinde, mit einem Mann zurechtkomme, der stets und ständig betone, dass Amerika an erster Stelle stehe.

Theresa May als Dolmetscherin? Es gibt Kommentatoren, die darin eher Wunschdenken sehen. In Wahrheit, schreibt etwa die "Washington Post" in einem Leitartikel, stehe der harte Brexit, wie ihn Downing Street Nr. 10 neuerdings ansteuere, in fundamentalem Widerspruch zum Credo eines global denkenden und handelnden Landes. Ein bilaterales Freihandelsabkommen mit den USA, warnt das Blatt, dürfe nicht zu einem Instrument werden, mit dem man die westliche Allianz entwerte. Trump hat klargestellt, dass ein Handelsdeal mit London für ihn Vorrang hat, zumal er die Abkehr von multilateralen Abmachungen wie TPP oder TTIP untermauern würde. Tatsächlich kann der Pakt erst dann geschlossen werden, wenn der Brexit vollzogen ist, frühestens im Jahr 2019.

Der Widerspruch zwischen großen Worten und eher magerer Substanz, er vor allem dürfte am Freitag die Gespräche im Oval Office prägen. Trump geht es um die Symbolik: Während sich Barack Obama in Europa in erster Linie an Angela Merkel hielt, hat der Milliardär die deutsche Kanzlerin wegen ihrer Flüchtlingspolitik scharf kritisiert. Dass er May den Hof macht, versteht er auch als Mittel, um Druck auf Merkel zu machen. Die Intensität, mit der man in seinem Umfeld wieder von der Sonderbeziehung zu Großbritannien spricht, bildet die passende Geräuschkulisse dafür.

"The Special Relationship": Es war Winston Churchill, der den Begriff prägte, um 1941 die Allianz mit Franklin D. Roosevelt zu besiegeln. Vor der Irak-Invasion des Jahres 2003 war es nicht zuletzt die "Special Relationship", mit der Tony Blair seinen Schulterschluss mit George W. Bush begründete. Man müsse dicht am Ohr des amerikanischen Riesen sein, um ihm Weisheiten ins Ohr flüstern, ihn lenken zu können, redete er sich ein. Eine Selbsttäuschung, die damit endete, dass Blair vielen als Bushs Pudel galt. Sprach Obama von der "Special Relationship", klang es nach einer rhetorischen Pflichtübung, die keiner ernst nahm. Ob sich dies in der Substanz ändern wird, bleibt abzuwarten.