Wirklich eindeutige Aussagen ergab auch die am Mittwoch vorgestellte neueste Auflage der Erhebung nicht. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Ist Umwelt überhaupt noch ein Thema?
Es ist momentan nur auf Platz drei. Zuwanderung (55 Prozent) und der Bereich Kriminalität, Frieden und Sicherheit (47 Prozent) werden deutlich häufiger genannt. Allerdings ist der Wert, den der Umwelt- und Klimaschutz erreicht, mit 21 Prozent in der langjährigen Betrachtung recht konstant. Er schwankte in den vergangenen 20 Jahren zwischen 16 und 25 Prozent; nur 2012 lag er wegen des Reaktorunglücks in Fukushima mit 35 Prozent weit höher.

Welches Umweltproblem sorgt die Menschen am meisten?
Erstaunlicherweise der Plastikmüll in den Weltmeeren, der in Europa eher ein kleines Problem ist. 74 Prozent nannten das. Vielleicht weil es so weit weg ist? Die Abholzung der Wälder (71 Prozent) und das Artensterben (56 Prozent) folgen auf den nächsten Plätzen, noch vor dem Klimawandel (55 Prozent). Dass Rohstoffe knapp werden könnten, glauben nur 34 Prozent.

Wie offen ist die Bevölkerung für eine aktive Umweltpolitik?
Ziemlich offen. So stimmen 97 Prozent zu, dass jeder Einzelne Verantwortung für lebenswerte Umweltbedingungen der nachfolgenden Generationen trägt. Auch denken 94 Prozent, dass Nachhaltigkeit gut für die Gesundheit der Menschen ist, und 81 Prozent sehen darin eine Zunahme an Lebensqualität. Immerhin noch 76 Prozent sind ganz oder teilweise bereit, dafür den Lebensstandard einzuschränken. Dass die Kräfte des freien Marktes es allein richten werden, glauben nur 34 Prozent. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) erkannte in den Daten einen "signifikanten Bewusstseinswandel" und schloss: "Es wird Zeit, dass in dem ein oder anderen Ressort der Umweltschutz einen höheren Stellenwert erhält." Das zielte offenbar auf das Wirtschafts- und das Verkehrsministerium.

Gibt es eine Veränderung im Mobilitätsverhalten?
Real noch nicht. 70 Prozent nutzen täglich oder mehrmals pro Woche das Auto, öffentliche Verkehrsmittel hingegen nur 21 Prozent und das Fahrrad nach eigenen Angaben 32 Prozent. Mehrfachantworten waren möglich. Allerdings können sich in Großstädten 26 Prozent vorstellen, Carsharing zu nutzen und 61 Prozent, häufiger mit Bussen oder Bahnen zu fahren. Auf dem Land sind diese Werte naturgemäß niedriger. Dass verkehrspolitisch mehr passiert, wünschen sich viele, 91 Prozent sagen, weniger Autos seien ein Beitrag zum guten Leben in den Städten. Ebenfalls 91 Prozent der Befragten sind dafür, Gütertransporte von der Straße auf die Schiene zu verlagern, 85 Prozent wünschen sich mehr verkehrsberuhigte Wohngebiete. Aber Tempo 30 innerorts lehnt eine Mehrheit ab, und für Tempo 130 auf Autobahnen sind nur 56 Prozent.

Wie glaubhaft sind die Daten?
Das beauftragte Institut für ökologische Marktforschung gilt als seriös, die Datenbasis mit insgesamt 4000 Befragten als ausreichend. Problematischer ist es auf Seiten der Antwortenden. Denn manche Angaben sind offenbar mehr Wunsch als Wirklichkeit. Etwa wenn zwei Drittel der Bürger behaupten, sie konsumierten gar nicht oder maximal dreimal pro Woche Fleisch. Oder wenn Frische, regionale Herkunft und Qualität als entscheidende Kriterien beim Kauf von Lebensmitteln angegeben werden, weit vor dem Preis und der Haltbarkeit. Die Forscher sprechen hier von "sozial erwünschtem Antwortverhalten".

Die komplette Studie unter www.bmub.bund.de

Zum Thema:
Zwei von drei Autofahrern in Deutschland können sich vorstellen, häufiger aufs Rad statt in den Wagen zu steigen - und rund die Hälfte wäre bereit, öfter öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Das zeigt eine Studie zum Umweltbewusstsein der Deutschen. Öfter mal zu Fuß gehen ist demnach sogar für rund drei von vier Menschen vorstellbar, die täglich oder mehrmals pro Woche im Alltag mit dem Auto fahren. Besonders offen für Bus und Bahn sind demnach Autofahrer in Großstädten mit mehr als 100 000 Einwohnern: 61 Prozent können sich vorstellen, öfter öffentlich zu fahren. In Städten ab 20 000 Einwohnern waren es 49 Prozent, in noch kleineren nur 46 Prozent. Mehr Fahrrad zu fahren, kam dagegen mit 66 Prozent vor allem für die Bewohner mittelgroßer Städte infrage, in Großstädten nur für 60 Prozent. 91 Prozent sind der Meinung, dass Unabhängigkeit vom Auto ein Beitrag zu einem "guten Leben" sei, 79 Prozent wünschen sich das für den eigenen Wohnort. Andererseits bleibt das Auto klar das wichtigste Verkehrsmittel - 70 Prozent aller Befragten fahren täglich oder mehrmals die Woche mit dem Wagen. Mit dem Fahrrad fährt dagegen nur jeder Dritte mehrmals die Woche, öffentliche Verkehrsmittel nutzt nur jeder Fünfte so oft. Innenstädte für den Autoverkehr zu sperren, befürworten nur 36 Prozent der Deutschen. Verkehrsberuhigte Wohngebiete wollen aber 85 Prozent.