"Land des Lächelns" oder "Sanft wie Seide" - Thailand lebt dank solcher Slogans von seinem Image als Paradies Südostasiens, aber hinter den politischen Kulissen kracht es. Verfeindete Lager liefern sich seit fast zehn Jahren Straßenschlachten, im Mai hat wieder das Militär geputscht. Gerade wanderten engste Verwandte der Frau von Kronprinz Vajiralongkorn (62) hinter Gitter. Srirasmi verlor daraufhin "alle royalen Privilegien" - eine verklausulierte Form des Hofes, das Ende der Ehe mitzuteilen. Was ist los in dem bei Investoren und Touristen so beliebten Königreich?

Das ganze Drama spielt sich in einem historisch einschneidenden Kapitel der thailändischen Geschichte ab. König Bhumibol Adulyadej (87) liegt schwer krank im Krankenhaus. Es zeichnet sich eine Thronfolge ab - eine Situation, die Thailand seit 68 Jahren nicht mehr erlebt hat. So lange ist der Monarch schon auf dem Thron.

"Die Zeit der königlichen Erbfolge ist durch die ganze Geschichte immer eine Zeit von Intrigen, Instabilität und oft auch gewalttätigen Konflikten gewesen", sagt der Thailand-Experte und Buchautor Andrew MacGregor Marshall. "Es steht viel auf dem Spiel - die Monarchie hat zwar nur begrenzte Macht, aber der Palast hat enormen Einfluss und kontrollierte großen Reichtum."

Die Nachricht von der Festnahme des Onkels von Srirasmi, der über die Jahre auf einen der wichtigsten Polizeiposten befördert worden war, platzte im November wie eine Bombe. Geldwäsche, Ölschmuggel, illegale Kasinos und Majestätsbeleidigung - die Anklage ist lang. Eine Erniedigung dieser Art ist beispiellos in der jüngeren Geschichte des Königshauses. Was bedeutet das alles?

Darüber offen zu diskutieren ist in Thailand tabu, weil das Militär wie kaum eine Regierung der letzten Jahre die Keule des Gesetzes gegen Majestätsbeleidigung schwingt. Es verbietet Kritik am König, seiner Frau und dem Thronfolger. Es drohen 15 Jahre Haft. Die Verfolgung nach dem Gesetz treibt allerdings seltsame Blüten. So wurde jüngst der Sozialwissenschaftler Sulak Sivaraksa angeschwärzt, weil er glorifizierte Heldentaten eines seit mehr als 400 Jahren toten Königs in Frage gestellt hatte.

König Bhumibol hat Thailand in seiner langen Regentschaft auf Modernisierungskurs gebracht. Zahlreiche Entwicklungsprojekte, etwa zur besseren Bewässerung der Reisfelder, tragen seine Handschrift. Er hat die Monarchie zu einer höchst respektierten Institution gemacht.

Wie sähe Thailand aber unter einem neuen König aus? Welche Ambitionen haben die politischen Lager - nach der Farbe ihrer T-Shirts Gelb- und Rothemden genannt ? Wer steht wo im Positionsgerangel? Wie geht es weiter mit der Demokratie? Spekulationen über diese Fragen subsumiert die Regierung von Putschführer Prayuth Chan-ocha auch unter Verstößen gegen das drakonische Gesetz und unterbindet sie damit. Medien werden zensiert und Kritiker verfolgt, wie Human Rights Watch dokumentiert.

Pavin Chachavalpongpun, Professor am Südostasien-Institut der Kyoto Universität in Japan, sieht die Vorgänge vor dem Hintergrund eines Machtgerangels: auf der einen Seite die traditionellen Eliten, alte, einflussreiche Familien, zahlenmäßig in der Minderheit, vertreten durch die Gelbhemden. Sie hätten die Monarchie immer genutzt, um ihre Macht zu sichern. Auf der anderen Seite die Rothemden, überwiegend aus ärmeren Schichten und die Mehrheit im Land, die mit Hilfe des 2006 aus dem Amt geputschten Regierungschefs Thaksin Shinawatra ihre politische Macht entdeckten und nun selbst Einfluss wollen.

"Es sieht so aus, als baue das Militär an einer Verfassungsstruktur, die die Macht der alten politischen Elite garantieren soll", schrieb der Thailänder in einem Kommentar. "Die Intoleranz der Junta versperrt den Weg zu politischer Reform", meint Verfassungsspezialist Khemthong Tonsakulrungruang in einem Artikel. "Demokratie kann man nicht unter einem Regime der Unterdrückung, Angst und Lügen aufbauen." Auf jeden Fall hat die vom Militär eingesetzte Regierung keine Eile mit der Rückkehr zur Demokratie. Gewählt werde frühestens 2016, hat sie angekündigt.