Militärputsch in 75 Jahren einrollten - der Tourismusbetrieb ging ungestört weiter. Ob Thailand das ungetrübte Urlauberparadies bleibt, soll sich bald zeigen. Im Dezember stehen Wahlen für die Rückkehr zur Demokratie an. Doch ist das Land tief gespalten. Die Generäle haben nicht die erhoffte Versöhnung gebracht.

Denkzettel für das Militär
Beim Referendum über die neue Verfassung, die das Militär schreiben ließ, wurde der Graben deutlich: Während der Text mit 58 Prozent angenommen wurde, stimmten im bevölkerungsreichen und armen Nordosten des Landes, der einstigen Machtbasis des gestürzten Premierministers Thaksin Shinawatra, mehr als 60 Prozent dagegen. Seine Anhänger hatten die Abstimmung dort erfolgreich in einen Denkzettel für das Militär umgemünzt.

Im Nordosten weiter populär
Zum Ärger des Militärs ist Thaksin dort nach wie vor populär, weil er sich um die kleinen Leute kümmerte, etwa mit der ersten Gesundheitsversorgung für alle. "Das Militär macht sich große Sorgen über die Wahlen", sagt der Historiker Chris Baker, der seit vielen Jahren in Thailand lebt. Auch den einflussreichen Familien Bangkoks, die dank guter Verbindungen zum Königshaus viele Fäden in der Hand hielten, sahen in dem Populisten einen unerwünschten Emporkömmling. "Seidener Putsch" wurde der Militärstreich genannt, weil kein Schuss fiel, und die Bangkoker die Putschisten ganz offenbar begrüßten.
Um so bewusster wurden sich die armen Massen ihrer Macht als Stütze des Regierungschefs. "Die Kräfte, die Thaksin entfesselt hat, werden immer lauter", sagte der Politikwissenschaftler Thitinan Pongsudhirak in einem Zeitungsinterview. "Sie verschwinden nicht mehr. Hier entsteht ein neues Thailand, und die Wahlen werden ein gespaltenes Ergebnis bringen."
Die Generäle haben alles getan, um einen wie Thaksin mit einer Machtbasis im gemeinen Volk in Zukunft zu verhindern. So ließen sie eine neue Verfassung schreiben, die politische Parteien schwächt, schwache Koalitionen mit vie len Splitterparteien fördert und den Einfluss von Militär und Eliten stärkt. Fast die Hälfte der Mitglieder der zweiten Parlamentskammer soll nicht gewählt, sondern ernannt werden, von einem Gremium, das die höchsten Richter auswählen.
Thaksin stellten sie mit Haftbefehlen ins Abseits. Sie hatten den Putsch damit begründet, dass Thaksin Regeln und Gesetze zum finanziellen Wohl seiner Familie manipulierte und Aufsichtsbehörden mit Gefolgsleuten besetzte. Dass Thaksin das System zu seinem Vorteil umbog, steht für viele Thailänder außerfrage. Trotzdem brachten die Ermittler bislang nur einen angeblich nicht erklärten Aktienbesitz vor Gericht und einen dubiosen Landkauf von Thaksins Frau.

Neue Partei gegründet
Thaksin, der vor seiner Wahl im Jahr 2001 im Telekomgeschäft zum Milliardär geworden war, stachelt aus dem Londoner Exil seine Anhänger immer wieder mit Kritik am Regime an. Seine Tai Rak Tai-Partei wurde zwar wegen Wahlbetrugs verboten und ihre Führer von politischen Ämtern ausgeschlossen. Doch gründeten seine Anhänger schon die neue "Volksmacht-Partei" (PPP). Vorsitzender ist der ultrarechte ehemalige Senator und Fernsehshow-Moderator Samak Sundarajej. "Wir müssen die Verfassung ändern", sagte dieser bereits der "Straits Times" in Singapur, als habe er den Wahlsieg schon in der Tasche.
Noch wird die Stabilität im Land von König Bhumibol Adulyadej garantiert. Der 79-Jährige ist die unumstrittene Integrationsfigur, die von den Thailändern fast wie ein Gott verehrt wird. 61 Jahre ist er schon auf dem Thron. Keiner wagt sich, die Ära nach Bhumibol auszumalen.