Die US-Firma Abbott hat aus Protest jetzt die Anträge auf Zulassung neuer Medikamente in Thailand zurückgezogen. Auf der Strecke bleiben die Kranken.
Das Dilemma ist alt: Gesundheitsbehörden wollen die bestmögliche Arznei für ihre Patienten, Pharmafirmen wollen ihre Mittel nach den Millionen-Investitionen in Forschung und Entwicklung teuer verkaufen. Zu teuer, findet etwa die thailändische Regierung.

Aids- und Herzmedikament
Thailand ist nun als erstes großes Land - 65 Millionen Einwohner - in die Offensive gegangen. Der Gesundheitsminister setzte Anfang des Jahres die Patente für drei Aids- und Herzmedikamente aus. Betroffen sind Abbott und die französische Firma Sanofi-Aventis. Für deren bislang patentgeschützte Medikamente sind jetzt billigere Kopien erlaubt. Bei einem nationalen Notstand ist dies erlaubt nach den Regeln der weltweiten Trips-Abkommens zum Patentschutz, doch sehen Pharmafirmen in Thailand den Notstand nicht. Vielmehr sieht Abbott Laboratories darin reine Willkür. Sie zog Anträge auf Zulassung von sieben neuen Medikamenten in Thailand zurück. Die Menschen haben damit keine Chance, in den Genuss vielversprechender neuer Mittel zu kommen.
"Das ist einfach grausam", sagte der Chef der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" in Thailand, Paul Cawthorne. Die Pharmaindustrie argumentiert mit hohen Kosten. "Arzneimittel zu entwickeln ist hoch riskant und man weiß nie, ob etwas dabei herauskommt", hält der Pharmaverband IFPMA fest. "Patente müssen geschützt werden, damit sichergestellt ist, dass die Gewinne wieder in die Erforschung neuer Medikamente gesteckt werden können." In der mit Bildern von Todkranken und Hungernden emotional geführten öffentlichen Debatte zieht die mächtige Industrie immer den Kürzeren. Konzerne mit Milliardengewinnen gelten als Buhmann, der Arme aus Profitgier sterben lässt. So stimmt das nicht: Viele Firmen geben in armen Ländern Medikamente zum Selbstkostenpreis ab.

Monopol und Lizenz sichern
Vor allem in Afrika sind auf diese Weise Aids-Medikamente in Umlauf, die sich weder Patienten noch Gesundheitsbehörden sonst leisten könnten. Auch Abbott stellt sein Aids-Medikament nach eigenen Angaben in Thailand für ein Drittel des US-Preises zur Verfügung. Grundsätzlich pochen die Firmen aber auf den Patentschutz, der ihnen eine Zeit lang das Monopol und damit die Lizenz sichert, die Mittel weit über dem Herstellerpreis zu verkaufen.