Elmau liegt inmitten eines großen Naturschutzgebietes mit vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten. Die Eingriffe in die Natur seien kaum wieder gutzumachen, klagte Claudia Roth weiter.

Da ist was dran. Die Grünen in Garmisch-Partenkirchen kommen in einer Analyse zu dem Ergebnis: "Veranstaltungen dieser Größenordnung haben in einem derart sensiblen Umfeld nichts zu suchen." Millionen Euro müssen nach Angaben von Naturschützern anschließend investiert werden, um die Schäden für Flora und Fauna - so gut es eben geht - zu beseitigen, die der G7-Tross gewollt oder ungewollt hinterlassen wird.

Wie viel Geld genau benötigt wird, weiß noch keiner. Sicher ist nur, dass auch das die Rechnung für das zweitägige Spektakel erhöhen wird.

Ohnehin wird um die tatsächlichen Kosten des Gipfels heftig gestritten. Noch im vergangenen Jahr war die bayerische Staatskanzlei davon ausgegangen, dass sie im "niedrigen zweistelligen Millionenbereich" liegen würden. Inzwischen beläuft sich die offizielle Summe auf 130 Millionen Euro. Davon übernimmt der Bund bisher 40 Millionen Euro.

Laut Bundesregierung sind darin auch Mittel für Investitionen enthalten, die der Region dauerhaft nutzen sollen. Denn seit klar ist, dass das Traumhotel im Oberbayerischen zur Herberge der sieben vermeintlich mächtigsten Staats- und Regierungschefs wird, wird nicht nur für das Wohlbefinden von Angela Merkel, Barack Obama und Co jede Menge Geld ausgegeben. Seitdem wird auch die Infrastruktur der Umgebung ertüchtigt und instand gesetzt. Hinzu kommen Ausgaben für kilometerlange Zäune, Hubschrauberlandeplätze, Kameras und Bewegungsmelder. Und selbstverständlich für die Einsätze von Tausenden Polizisten und Soldaten.

Das Beispiel Heiligendamm lehrt, dass erste Kalkulationen eben doch nicht zu halten sind. Oder aber, dass sie bewusst geringer angesetzt werden. Der G8-Gipfel 2007 im Ostseebad war mit rund 80 Millionen Euro veranschlagt worden, zum Schluss mussten deutlich mehr als 100 Millionen Euro an Steuergeld ausgegeben werden.

Inzwischen droht auch für das Treffen in Elmau eine Kostenexplosion, wie Ralf Schneider befürchtet. Er spricht für den bayerischen Bund der Steuerzahler. Vor einigen Wochen hatte die Organisation für Aufsehen gesorgt, nachdem sie den Preis für den Gipfel im Alpenpanorama auf 360 Millionen Euro beziffert hatte. Von Seiten der Bundesregierung wurde dies heftig kritisiert und als "hochspekulativ" abgetan.

Doch an der Berechnung hält Schneider konsequent fest. So habe die bayerische Landesregierung immer betont, Elmau werde günstiger werden als Heiligendamm. "Doch der Gipfel dort war vor acht Jahren, und das in einem zehnmal leichter abzusichernden Tagungsort", sagte Schneider der RUNDSCHAU. Die 360 Millionen seien sogar noch "konservativ gerechnet". Allein die Überstunden für die 20 000 im Einsatz befindlichen Polizisten würden gewaltig zu Buche schlagen. Er sei sicher, dass seine Rechnung stimme.

Auch Claudia Roth sind die finanziellen Aufwendungen ein Dorn im Auge. Selbst wenn es am Ende "nur" die 130 Millionen Euro sein sollten, so bleibe trotzdem fraglich, ob ein eineinhalbtägiges Treffen "solche Kosten rechtfertigt", sagte die Grünen-Politikerin. Die Diskussion darüber dürfte nach dem Gipfel erneut aufflammen.