Das neue "Schwarzbuch" des Verbandes enthält wieder eine Fülle abschreckender Beispiele für Deutschlands Verschwendungssucht. Manche Fälle wie das Fiasko um den Großflughafen BER oder überteuerte Rüstungsprojekte haben schon bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Andere Vorgänge schafften es nur in die regionalen Nachrichten, obwohl sie aus Sicht des Steuerzahlerbundes nicht minder ärgerlich sind:

Teure Fehlplanungen: In der Stadt Schleswig waren im Rahmen der Landesgartenschau 2008 drei Holzstege für 535 000 Euro in die Schlei gebaut worden. Doch die Bohlen hielten nur fünf Jahre und müssen ausgetauscht werden. Kostenpunkt: 65 000 Euro. Ursache war eine Fehlplanung. In den Rillen der Hölzer konnte das Regenwasser nicht ablaufen. Ein weiteres Beispiel ist der niedersächsische Ort Lauenau. Dort wohnen gerade einmal 4000 Einwohner. Trotzdem ließ man sich einen Kreisverkehr für 550 000 Euro bauen. Weil die Stelle weder unfall- noch gefahrenträchtig sei, hätten es wesentlich kostengünstigere Fahrbahnschwellen auch getan, urteilte der Steuerzahlerbund.

Verkehrspolitischer Flop: Die nur 39 Kilometer voneinander entfernten Flughäfen Saarbrücken (Saarland) und Zweibrücken (Rheinland-Pfalz) hatten sich über Jahre einen Wettbewerb auf Kosten der Steuerzahler geliefert. Dann schritt die EU ein und entschied sich im Juli gegen Zweibrücken. Rund 50 Millionen Euro an öffentlichen Geldern wurden als illegale Beihilfe eingestuft, die die Flughafengesellschaft an das Land zurückzahlen soll. Der dauerdefizitäre Flughafen meldete daraufhin Insolvenz an. So seien zweistellige Millionenbeträge verschwendet worden, urteilte der Steuerzahlerbund. Allein die Sanierung der Landebahn habe 2008 und 2009 rund 18 Millionen Euro verschlungen.

Kommunale Blüten: Im bayerischen Miesbach feierte ein Landrat seinen 60. Geburtstag mit 362 Gästen. Die Sause kostete 120 000 Euro. Davon übernahm der Landrat aber nur 7600 Euro. Den großen Rest zahlten der Landkreis und die Kreissparkasse, deren Verwaltungsratschef der Landrat war. Immerhin überprüft die Sparkasse jetzt Rückforderungen. Im niedersächsischen Walsrode wollte derweil eine Bürgermeisterin partout nicht freiwillig aus dem Amt scheiden. Doch anstatt sie abzuwählen, bewilligte die Ratsfraktion ihr eine sechsmonatige Fortbildung fernab des Rathauses - und das bei vollen Bezügen von 7566 Euro monatlich.

Drohende Verschwendung: Fußgänger und Radfahrer haben in Düsseldorf sechs Möglichkeiten, den Kittelbach zu überqueren. Nun soll jedoch noch eine weitere Brücke gebaut werden. Es wäre die siebte Querungsmöglichkeit auf einer Länge von nur etwa einem Kilometer. Voraussichtliche Kosten: 335 000 Euro. Der Steuerzahlerbund fordert, den weiteren Brückenbau zu kippen.

"Die Politiker müssen sorgfältiger mit unserem Geld umgehen und Sparpotenziale ernsthaft nutzen", mahnte Holznagel. Zugleich machte er aber klar, dass dem "Schwarzbuch" der Stoff nicht ausgehen werde.

Ein Aspirant für die nächste Ausgabe könnte die geplante Pkw-Maut sein. Die absehbaren Einnahmen stünden hier in keinem vernünftigen Verhältnis zu den enormen Verwaltungskosten, bemängelte Holznagel schon mal vorsorglich.