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| 18:46 Uhr

Testcenter, Motorrennsport und Tourismus

Spektakel Red Bull Air Race: Ein Flieger zeigt im September des Vorjahres in Klettwitz auf dem Lausitzring sein Können bei der Rennserie.
Spektakel Red Bull Air Race: Ein Flieger zeigt im September des Vorjahres in Klettwitz auf dem Lausitzring sein Können bei der Rennserie. FOTO: dpa
Cottbus. Das Echo auf den Verkauf des Lausitzrings und die Übernahme durch die Dekra ist überwiegend positiv ausgefallen. Europas größtes Zentrum für automatisiertes Fahren wird als Chance gesehen. Christian Taubert

Das Echo auf den Verkauf des Lausitzrings und die Übernahme durch die Dekra ist überwiegend positiv ausgefallen. Europas größtes Zentrum für automatisiertes Fahren wird als Chance gesehen. Dennoch gibt es am Tag danach bange Fragen zur Zukunft des Motorrennsports und zu den Auswirkungen auf den Tourismus in der Region. Die RUNDSCHAU hat nachgefragt und gibt Antworten.

Ist die Zusage des neuen Eigentümers Dekra, den Motorsport auf dem international bekannten Eurospeedway Lausitz zu erhalten, nur ein Lippenbekenntnis?Aus Sicht der Dekra sind Vorbehalte verständlich. "Aber, wenn wir sagen, dass uns der Motorrennsport auf dem Lausitzring weiter am Herzen liegt, dann meinen wir das ernst", beteuert der Stuttgarter Dekra-Pressechef Wolfgang Sigloch gegenüber der RUNDSCHAU. Die Dekra hat klar gesagt, dass sie nicht als Veranstalter auftreten wird. Was passiert aber, wenn Veranstalter von DTM-Masters oder Superbike Rennen fahren wollen, aber die Bedingungen auf dem Ring nicht stimmen? Dazu gibt es von Dekra Automobil die klare Aussage, dass sie bei Interesse von Veranstaltern auch die Voraussetzungen auf dem Ring schaffen wird.

Sind Auswirkungen auf den Tourismus in der Region dennoch absehbar? Für den Lausitzer CDU-Bundestagsabgeordneten Klaus-Peter Schulze ist es äußerst bedauerlich, dass die umfangreichen Landesmittel ihren Zweck nicht erfüllen konnten und die Rennstrecke als Impulsgeber für den Tourismussektor zukünftig wohl ausfällt. Dagegen erklärt sein Parteifreund Klaus Prietzel, Bürgermeister der Anrainergemeinde Schipkau, dass es weiter fünf bis zehn Großveranstaltungen geben werde. Insgesamt werde die Wertschöpfung in der Region größer als zuvor sein.

Kann auch die Dekra der Hotellerie rund um den Ring unter die Arme greifen? In gewisser Weise schon: Wie der Leiter des Technology-Centers Volker Noeske erklärt, werden künftig auch hochwertige Ausbildungs- und Trainingsveranstaltungen rund um automatisierte Fahrfunktionen angeboten werden. Für entsprechende Schulungen ist eine Kapazität von bis zu 500 Teilnehmern pro Tag geplant. Dekra-Vorstandschef Stefan Kröbl betont: "Das Engagement am Lausitzring ist ein klares Bekenntnis zum Standort und spielt eine wichtige Rolle bei der Umsetzung unserer Vision, bis zum Jahr 2025 der globale Partner für eine sichere Welt zu werden."

Was bedeutet es, dass auf dem Lausitzring eine Geisterstadt entstehen soll? In einem Zentrum für automatisiertes Fahren muss es eine richtige Stadt mit Gebäuden und Straßen geben, in der getestet werden kann. Sie ist ebenso neu zu errichten, wie die Dekra Asphalterneuerung ins Visier nimmt. "Aber", sagt der Pressechef, "die Planungen laufen erst, und wir sind erst ab dem 1. November Eigentümer."

Wie realistisch war ein rennsportlicher Weiterbetrieb des Lausitzrings? Ohne großzügige Unterstützung des Landes - wie es am Nürburgring oder in Oschersleben der Fall ist - wäre der Investitionsstau nicht zu bewältigen gewesen, ist sich Bürgermeister Prietzel sicher. Und, wenn die Rennserien schon bald weggeblieben wären, "hätten wir eine Ruine verkaufen müssen". Deshalb sei der Verkauf zum jetzigen Zeitpunkt die beste Lösung gewesen. Immerhin will die Dekra in einem ersten Schritt 30 Millionen Euro investieren.

Was treibt die Prüfgesellschaft Dekra zum Aufbau eines Europa-Zentrums für automatisiertes und vernetztes Fahren ausgerechnet im Süden Brandenburgs? Für Experten auf diesem Gebiet ist das sinnvoller als das Festhalten am Rennsport. Die Dekra prüft und testet eher im Verborgenen. Von Großveranstaltungen beäugt zu werden, mag nicht gerade typisch für sie sein. Dennoch: Zur Bosch-Chipfabrik in Dresden, die automatisiertes Fahren im Visier hat, und den Akku-Fabriken der Daimler AG in Kamenz mit dem Fokus auf Elektromobilität fehlt zu einem technologischen Verbund Automobilität eigentlich noch ein Testareal wie der Lausitzring.

Es soll 70 hochspezialisierte Arbeitskräfte im Technology-Center mehr geben - aber Mitarbeiter des Lausitzrings werden nicht komplett übernommen. . .

Die Suche nach Ingenieuren ist bundesweit nicht einfach. Woher sie kommen, um in der Lausitz zu arbeiten, "entscheidet der Personalmarkt", sagt Wolfgang Sigloch. Für Fachkräfte, die nicht übernommen werden, hat Schipkaus Bürgermeister unterdessen schon die Werbetrommel in der Region gerührt. Schon am Tag nach der Kaufentscheidung sei auf seine Anfrage bei einem großen regionalen Unternehmen die Antwort eingegangen, dass die Firma an Facharbeitern natürlich interessiert ist.

Zum Thema:
Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) hat am Montag den Verkauf des Lausitzrings an die Dekra als "gutes Signal für die Lausitz" bezeichnet. Die RUNDSCHAU hat ihre Leser und User in einer Online-Abstimmung danach gefragt, ob sie dieser Einschätzung folgen. Das Ergebnis des RUNDSCHAU-Teds ist eindeutig: Sowohl auf Facebook als auch beilr-online.de gibt es in der nicht repräsentativen Umfrage eine deutlich ablehnende Haltung. Auf Facebook sagen mehr als 40 Prozent der Teilnehmer Nein. Auf der Homepage von lr-online.de zeigen sich mehr als zwei Drittel der User skeptisch und sehen kein gutes Signal für die Lausitz.