Doch Mitbewohner des 21-Jährigen Libanesen mit den Vornamen Youssef Mohamad in dem Kieler Studentenheim zeichnen eindeutig das Bild eines streng gläubigen Muslims. "Er trug lange Haare und den typischen Vollbart. Für ihn gab es keinen Alkohol, keine Disco, keine Mädchen", erzählen sie.
Der 21-Jährige sei erst am vorvergangenen Mittwoch von einer dreiwöchigen Reise aus dem Libanon zurückgekommen, berichtet sein gleichaltriger deutscher Zimmernachbar Henning, der sichtlich unter dem Geschehen leidet. Youssef habe ihm bei seiner Rückkehr erzählt, dass sein älterer Bruder bei israelischen Angriffen getötet worden sei. Er sei deswegen bei seinen Eltern in Damaskus gewesen. Wie gestern bekannt wurde, war es laut Bundesanwaltschaft der militärische Nachrichtendienst im Libanon, von dem die deutschen Sicherheitsbehörden am Freitagabend den entscheidenden Tipp bekommen hatten. Nach seinem mutmaßlichen Komplizen wird weiter gefahndet.
Gestern stellte sich auch heraus, dass der 21-Jährige noch kein Student der Mechatronik war, wie ihn die Bundesanwaltschaft nach seiner Festnahme bezeichnet hatte. Er hatte allerdings in Kiel direkt neben der Fachhochschule bis zum Sommer eineinhalb Jahre lang ein Studienkolleg absolviert, das auf ein Fachhochschulstudium vorbereitet - im bevorstehenden Semester hätte er anfangen können.
Der amtierende Kollegleiter hat nach eigenen Worten anders als die Mitbewohner nichts festgestellt, das ihn als besonders streng Gläubigen ausgewiesen hätte. "Er ist in keiner Weise als besonders religiös auffällig gewesen, weder durch Kleidung noch durch sonst irgendetwas", sagt Rainer Wurow-Radny, der ihn in Physik, Chemie und technischer Kommunikation unterrichtet hatte.
Der Libanese habe zurückgezogen gelebt, aber ständig Besuch von mutmaßlichen Glaubensbrüdern gehabt, berichtet Henning: "Fünfmal pro Tag, manchmal sogar häufiger sind Leute für ihn gekommen. Die haben sich tagtäglich in großer Gruppe getroffen, das ist für die normal", sagt er. Youssef sei auch oft im kargen Gebetsraum im Keller des heruntergekommenen Hauses gewesen. Er habe den Libanesen als nett empfunden. "Aber wenn man mit ihm mal geschnackt hat, dann meist über den Islam."
Mulmig wird dem deutschen Studenten, wenn er daran denkt, dass er und die anderen Mitbewohner aus der Fünfer-Wohngemeinschaft über den Libanesen Witze gemacht hatten: "Was heckt der jetzt schon wieder in seinem Zimmer aus?", hätten sie sich gefragt, wenn er sich immer wieder zurückzog. Doch dass der Terror so nahe rückt - daran hätten sie nicht im Traum gedacht.